StartBewaffnungPolen will Produktion von Artilleriemunition versechsfachen

Polen will Produktion von Artilleriemunition versechsfachen

Polen will die inländische Jahresproduktion von 155-mm-Artilleriemunition bis 2027 von derzeit 30.000 auf 180.000 versechsfachen. Das teilte Premierminister Donald Tusk in dieser Woche beim Besuch der Munitionsfabrik Nitro-Chem in Bydgoszcz mit. Zuvor hatte die übergeordnete Holding Polska Grupa Zbrojeniowa (PGZ) eine neue Investitionsrunde für vier staatliche Munitionshersteller zum Erwerb neuer Technologie angekündigt. Davon sind umgerechnet 26,8 Milliarden Euro für Nitro-Chem vorgesehen. Die Fabrik ist ein europäischer Schlüssellieferant für den Sprengstoff TNT.

Nach Angaben von Tusk betrug die polnische Jahresproduktion von 155-mm-Geschossen noch 2023 lediglich 5.000 Stück. Eine weitere Versechsfachung innerhalb von zwei Jahren sei daher ein sehr realistisches Ziel. Polen betrachtet sich mit seinen Grenzen zu Weißrussland und der russischen Exklave Kaliningrad als Frontstaat der NATO und gehört auch zu den größten Unterstützern der benachbarten Ukraine im Kampf gegen die russische Invasion.

Polen liegt im Trend der europäischen Munitionsproduktion

Insgesamt expandiert die europäische Rüstungsindustrie nach einer Analyse der britischen Financial Times mittlerweile im Vergleich zur Zeit vor dem Ukrainekrieg mit der dreifachen Geschwindigkeit. Seit 2022 sind laut der Zeitung sieben Millionen Quadratmeter Fläche zu Produktionsstätten für Munition und Lenkwaffen hinzugekommen. Die deutlichste Vergrößerung erfolgte demnach durch ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und der N7-Holding im ungarischen Várpalota.

Laut dem Kieler Instititut für Weltwirtschaft (IfW) haben die Lieferungen europäischer Militärgüter für die Ukraine mittlerweile auch die der USA überholt. Der aktuellen Ausgabe des vom IfW betriebenen Ukraine Support Trackers zufolge überstieg deren Wert nach dem Stopp der amerikanischen Militärhilfe unter Präsident Donald Trump letztere mit Stand Juni mit einem Gesamtwert von mindestens 35,1 Milliarden Euro um 4,4 Milliarden. Von den 10,5 Milliarden Euro, die allein im Mai und Juni hinzukamen, gehen mindestens 4,6 Milliarden für Neuproduktionen an Rüstungsunternehmen statt in Lieferungen aus vorhandenen Beständen.

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Zwar hatten die EU- und weitere europäische Länder nach finanziellem Volumen schon immer mehr Hilfe für die Ukraine geleistet als die USA. Wegen ihrer geringeren Bestände von Waffensystemen und Munition blieben sie aber in diesem Bereich lange hinter der amerikanischen Unterstützung zurück. Künftig werden sie jedoch auch Waffen aus US-Produktion kaufen, insbesondere für essenzielle Fähigkeiten wie die Abwehr ballistischer Flugkörper mit dem System Patriot.

Stefan Axel Boes