Die israelischen Kampfhubschrauber vom Typ Boeing AH-64 Apache waren nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eines der ersten und wichtigsten Systeme zur Reaktion. Vor allem erfolgte mit und durch die Apache die bewaffnete und geschützte Koordinierung der ersten Bodentruppen im Gaza-Streifen. Der Einsatz zeigte, wie wichtig die Aufklärungs- und Kampffähigkeiten von Kampfhubschraubern sind. Jetzt hat das israelische Verteidigungsministerium entschieden, die AH-64 mit einem neuen Schutzsystem auszustatten.
Dazu hat Bird Aerosystems den Auftrag zur Entwicklung, Installation und Erprobung seines luftgestützten Raketenabwehrsystems (AMPS) mit DIRCM-Fähigkeiten für die Apache der israelischen Luftwaffe erhalten. Das AMPS wird das kürzlich entwickelte und anlässlich der DSEI UK 2025 vorgestellte µDIRCM umfassen. Das System wird in Zusammenarbeit mit der Direktion für Verteidigungsforschung und -entwicklung (DDR&D) des israelischen Verteidigungsministeriums entwickelt.
Kompaktes System für kleine Plattformen
Laut Bird Aerosystems ist μDIRCM das wohl weltweit kompakteste und leichteste Schutzsystem gegen MANPADS auf den Markt. Das neue System bietet laut Hersteller einen leistungsstarken, leichten, kompakten (L/B/H: 18 x 18 x 23 Zentimeter) und kostengünstigen Schutz vor modernen Bedrohungen und ermöglicht damit die fortschrittlichsten DIRCM-Funktionen für Plattformen, die bisher ungeschützt waren. Hier vor allem kleine Hubschrauber, Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) oder auch kleine bemannte Starrflügler.
Das neue, kleine und leichte µDIRCM-System basiert vollständig auf der erprobten SPREOS DIRCM-Technologie von Bird. Das µDIRCM wurde speziell für die wachsende Nachfrage nach leichten Verteidigungssystemen entwickelt und ermöglicht eine umfassende luftgestützte Raketenabwehr selbst für kleine Plattformen, UAS und leichte Hubschrauber wie den Boeing AH-6 Little Bird, Airbus H145, Boeing AH-64 Apache, Air Tractor AT-802U oder vergleichbaren Plattformen. Das neue System soll die SPREOS-Familie ergänzen, nicht ersetzen.
Integration an Flügelspitzen des AH-64
Aufgrund seiner Größe, seines Gewichts und seiner Kosten ist die doppelte µDIRCM-Turmkonfiguration perfekt für die Integration an den Flügelspitzen von Kampfhubschraubern wie dem AH-64 Apache geeignet und gewährleistet einen vollständigen hemisphärischen Schutz. Es hängt von der Form und den Anbauten der Hubschrauber ab, ob ein oder zwei Systeme für einen vollständigen Schutz notwendig sind. Wobei der Schutz nur seitlich und nach unten gerichtet ist, Bedrohungen von oben werden nicht erfasst.
Trägt ein Hubschrauber zum Beispiel einen ISR-Pod am Bug – beispielsweise den WESCAM MX-10/15 EO/IR – dann kann dieser Anflug- und Bedrohungsbereiche verdecken. Ein zentrales System wäre zu wenig. Mit zwei Systemen an den Flügelspitzen, oder den Waffenträgern wird dennoch ein umfassender Schutz gewährleistet. Das System kann laut Hersteller auch Systeme wie Chaff und Flares ersetzen, die als veraltete Technologie bezeichnet wurden.
μDIRCM wiegt weniger als sieben Kilogramm
Das µDIRCM ist eine vollständig autonome Single-LRU-Lösung mit einem Gewicht von weniger als sieben Kilogramm, die Schutz vor tragbaren Luftabwehrsystemen (MANPADS) und anderen modernen Bedrohungen bietet. Sein fortschrittlicher Infrarot-Tracker in Kombination mit leistungsstarken QCL-Multiband-Lasersendern gewährleistet eine hochpräzise Störfunktion, während sein Dualband-IR-Bestätigungsmechanismus nahezu keine Fehlalarme zulässt – ein wesentliches Merkmal der DIRCM-Produktfamilie von BIRD.
Das µDIRCM wurde für die nahtlose Integration in jedes Raketenwarnsystem (MWS) entwickelt und bietet maximale Abdeckung bei gleichzeitiger Erfüllung der höchsten militärischen und zivilen Luftfahrtstandards. Bisher wogen die kleinsten DIRCM-Systeme bei rund 18 Kilogramm. BIRD legte bei der Entwicklung aber nicht nur Wert auf geringes Gewicht und kleine Maße, sondern auch auf geringe Kosten, so das Unternehmen. Das System arbeitet nach dem Prinzip „Detect – Confirm – Protect“. Der Fokus liegt bei Bestätigung, damit die Fehlerrate extrem klein gehalten wird – laut Hersteller bei einer von 1.000 Messungen.
Kombination von EO/IR-Tracker mit Radar
Dazu wurde der Dual-color-EO/IR-Tracker mit einem Radar kombiniert. Der EO/IR-Tracker arbeitet die ganze Zeit und weckt das Radar nur wenn er eine Gefahr detektiert hat. Das Radar prüft dann, ob das anfliegende Objekt eine Rakete ist, ob sich das Objekt im Luftraum bewegt, und ob es in die Richtung der zu schützenden Plattform anfliegt und diese treffen würde. Ansonsten ist das Radar inaktiv, um die fliegende Plattform nicht zu verraten. Selbst wenn sich das Radar anschaltet, dann nur sehr kurz, für Millisekunden. Werden zwei µDIRCM verbaut, dann könnten sogar zwei Gefahren gleichzeitig detektiert und bekämpft werden, sollte diese aus unterschiedlichen Richtungen anfliegen.
Matan Perry, CMO & VP Sales bei Bird Aerosystems, erklärte: „Die kompakte Größe, das geringe Gewicht und die Kosteneffizienz des µDIRCM setzen einen neuen Standard für den Schutz kleiner Hubschrauber und UAS, die bisher keine herkömmlichen DIRCM-Lösungen aufnehmen konnten. Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach Selbstschutzsystemen in diesen Segmenten. Zusammen mit dem ausgereiften SPREOS DIRCM vervollständigt das µDIRCM das Portfolio von Bird und ermöglicht umfassende Schutzlösungen, die von kleinen Plattformen bis hin zu großen VVIP-Flugzeugen reichen.“
Ronen Factor, Co-CEO und Gründer von Bird Aerosystems, ergänzte: „Die Markteinführung des µDIRCM ist ein wichtiger Meilenstein für Bird. Wir haben unsere kampferprobte DIRCM-Technologie und unsere Erfahrung genutzt, um das weltweit kleinste und effektivste Selbstschutzsystem zu entwickeln, das die derzeit fortschrittlichste DIRCM-Technologie darstellt. Wir sind stolz darauf, dass das µDIRCM bereits von globalen Kunden ausgewählt wurde und im Laufe des Jahres 2026 in Betrieb genommen wird.“
Redaktion/af



