Nach dem kürzlichen Auftauchen unbekannter Drohnen an Flughäfen und militärischen Einrichtungen in Dänemark werden Einheiten aus mehreren NATO-Ländern das informelle Treffen der EU-Regierungschefs am 1. und 2. Oktober in Kopenhagen gegen Luftbedrohungen sichern. Bereits am späten Samstagabend der vergangenen Woche kündigte das Bundesministerium der Verteidigung an, Kräfte der Bundeswehr zur Drohnenabwehr ins Nachbarland zu verlegen.
Am heutigen Montag teilte das französische Verteidigungsministerium mit, 35 Mann mit Anti-Drohnen-Fähigkeiten und einem leichten Hubschrauber Fennec zu entsenden. Auch Schweden stellt entsprechende Mittel zur Verfügung. Unter anderem soll der Flughafen Kopenhagen mit zusätzlichem Radar gesichert werden. Im Rahmen der NATO-Operation Baltic Sentry ist zudem wie geplant die deutsche Flugabwehr-Fregatte Hamburg im Hafen der Stadt eingetroffen.
NATO füllt Lücken in der Flugabwehr
Dänemark hat nach den kürzlichen Vorfällen den ungewöhnlichen Schritt unternommen, während der gesamten Woche Flüge von Drohnen und Modellflugzeugen im Land zu verbieten. Die Streitkräfte des Landes verfügen derzeit über die Mittel der Flugabwehr aller Truppen hinaus über praktisch keine Systeme zur Luftverteidigung unterhalb von Jagdflugzeugen der Luftwaffe. Kürzlich leasten sie eine Feuereinheit des amerikanisch-norwegischen Lenkwaffensystems NASAMS von Norwegen, um die Zeit bis zur Lieferung mehrerer Neubestellungen zu überbrücken.
Dazu gehören 16 Flugabwehrfahrzeuge Skyranger 30 auf Fahrgestell Piranha V mit der Lenkwaffenoption Mistral und jeweils zwei Feuereinheiten der deutschen IRIS-T SLM, der französischen VL MICA sowie der französisch-italienischen SAMP/T NG. Für letztere ist noch kein Lieferdatum bekannt, die Kurz- und Mittelstreckensysteme aus Deutschland und Frankreich sollen ab kommendem Jahr ausgeliefert werden. Bis dahin soll NASAMS eine Minimalfähigkeit bieten.
EU plant Drohnenwall
Ein Thema beim EU-Treffen dürfte passenderweise der Aufbau eines „Drohnenwalls“ sein, nachdem kürzlich bei einem massiven russischen Angriff auf die Ukraine mindestens 19 Fluggeräte auch tief in den polnischen Luftraum eindrangen. Ein entsprechender Vorschlag der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zur Finanzierung mit europäischen Mitteln war früher in diesem Jahr in Brüssel noch abgelehnt worden.
Nach den Vorfällen in Polen hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Thema am folgenden Tag in ihrer Rede zur Lage der Union wieder aufgegriffen. Am vergangenen Freitag erklärte EU-Verteidigungs- und Raumfahrtkommissar Andrius Kubilius, selbst Litauer, das Vorhaben zur sofortigen Priorität. Es solle eine der Säulen des Projekts „Eastern Flank Watch“ werden. Die akut wahrgenommene Bedrohung dürfte die Entscheidungsfreude der Teilnehmer am Kopenhagener Gipfel entsprechend beflügeln.
Stefan Axel Boes






