StartTaktik & AusbildungLittoral Commander: Verteidigung des Baltikums im Wohnzimmer

Littoral Commander: Verteidigung des Baltikums im Wohnzimmer

Strategiespiele wie das gute alte „Risiko“ dienen längst nicht mehr nur dem Privatvergnügen. Ob computergestützt oder als Tabletop-Game, Streitkräfte nutzen die Spielmechanismen ebenfalls – sowohl zur Ausbildung als auch zur Informationsvermittlung in der Öffentlichkeit. Auch die Tabletop-Serie „Littoral Commander“, die den Einsatz von US-Streitkräften und ihren Gegenparts in Randmeergebieten um das Jahr 2030 für zwei bis sechs Spieler auf zwei Seiten darstellt, greift wie etwa das deutsche Planspiel POL&IS aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen auf professionellem Niveau auf.

Die zweite Ausgabe „Littoral Commander: The Baltic“ befasst sich nach dem Südchinesischen Meer nun mit dem Ostseeraum. Die meisten der elf Szenarien stellen Auseinandersetzungen um die Baltischen Staaten dar. Aber auch eine russische Landung auf der schwedischen Insel Gotland, ein Ausbruchsversuch der Baltischen Flotte Russlands in den Atlantik und eine Evakuierungsoperation können durchgespielt werden. Dabei geht es einerseits um den taktischen Einsatz verschiedener Einheitstypen. Doch auch „Joint“-Fähigkeiten und „weiche“ Faktoren wie die öffentliche Meinung spielen eine Rolle.

Randmeerkriegführung in allen Dimensionen

So sind auf amerikanischer Seite vor allem Truppen der U.S. Navy, des U.S. Marine Corps (USMC) und der U.S. Army auf Zugebene beteiligt, auf russischer ebenfalls Einheiten von Marine und Marineinfanterie sowie Luftlandetruppen. Beide können aber durch das Ausgeben eines begrenzten Budgets von „Kommandopunkten“ auf teilstreitkraftübergreifende Unterstützung wie Luftschläge, Drohneneinsätze, Cyberangriffe sowie Mittel der elektronischen und psychologischen Kampfführung zugreifen.

Auch die Vorräte an Lenkwaffen sind begrenzt. Durch erfolgreiche Operationen kann man zusätzliche Ressourcen erhalten – oder der Gegner, wenn man ein PR-Problem etwa durch die Bombardierung städtischer Gebiete bekommt. Ein grundlegendes Dilemma ist stets die Abwägung zwischen der Wirkung eigener Einheiten und deren Enttarnung hierdurch, womit sie zum Ziel von Gegenangriffen werden. Hier wird buchstäblich mit verdeckten Karten gespielt, bis sie zum Einsatz kommen oder durch gegnerische Mittel aufgeklärt werden.

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„Littoral Warfare“ richtet sich an Militär und Zivilisten

Hinter „Littoral Warfare“ steht der ehemalige USMC-Unteroffizier und Irak-Veteran Sebastian J. Bae, der jetzt Übungsszenarien für das regierungsfinanzierte Center for Naval Analyses entwirft. Produziert wird die Serie von der gemeinnützigen Dietz-Stiftung, die nicht nur alternative Mittel zur Unterrichtsgestaltung vertreibt, sondern auch Stipendien für Schüler und Studenten mit Berufsziel Lehramt vergibt.

Obwohl die Spiele auch von Streitkräften genutzt werden, sollen sie laut Bae nicht zuletzt Zivilisten die Herausforderungen und Erfordernisse moderner Kriegführung etwa im Ostseeraum vermitteln. Von Kritikern wird besonders die Abstrahierung der komplexen „Joint“-Fähigkeiten gelobt, die einen flüssigen Spielablauf ermöglicht. Als nächstes soll die Erweiterung „Littoral Commander: Australia“ erscheinen. In Deutschland sind die Spiele etwa über Amazon und diverse Internet-Fachshops erhältlich.

Stefan Axel Boes