Die Ukraine hat nach wie vor einen Riesenbedarf an großkalibriger Munition. Der Import aus den Partnerländern alleine kann den Bedarf nicht decken. Daher ist das Land bestrebt, über möglichst viele Produktionsoptionen vor Ort nutzen zu können. Auch wenn diese in der Ukraine natürlich jederzeit ein Ziel russischer Angriffe werden können. Viel wurde in den letzten Monaten über den Aufbau der Rheinmetall-Produktionsstätte gesprochen. Jetzt hat auch die Czechoslovak Group (CSG) die lizenzierte Produktion von großkalibriger Munition in der Ukraine aufgenommen.
Die Produktion erfolgt in Kooperation mit dem ukrainischen Partner von CSG, Ukrajinska Bronetechnika (Ukrainian Armor), dem die Gruppe eine Produktionslizenz, technisches Know-how und zentrale Komponenten zur Verfügung gestellt hat. Das Projekt markiert einen weiteren Meilenstein in der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der tschechischen und der ukrainischen Verteidigungsindustrie und stärkt die Fähigkeit der Ukraine, einen Teil ihrer Artillerie-Munition aus eigener Produktion zu decken, so CSG bei der Bekanntgabe.
Umsetzung vollständig durch ukrainische Partner
„Wir sind stolz darauf, eines der ersten westlichen Unternehmen zu sein, das die Produktion von großkalibriger Munition erfolgreich in die Ukraine verlagert hat“, sagt David Chour, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der CSG. Und CSG-Pressesprecher Andrej Čírtek erklärt: „CSG besitzt in der Ukraine weder eigene Produktionsstätten noch Fertigungstechnologien. Die Umsetzung erfolgt vollständig durch unseren Partner, an den wir die Lizenz übertragen und das erforderliche Know-how weitergegeben haben. Da er bereits über die erforderliche technische Ausstattung verfügte, konnte die Produktion relativ schnell anlaufen.“
„Unsere Gruppe bestimmt weder die Preise noch die Auswahl der Kunden. Wir profitieren von dem Projekt über Lizenzgebühren und die Lieferung kritischer Komponenten wie Treibladungen, Zünder und Initiatoren“, so Čírtek weiter. Der ukrainische Partner fertige die Granatenkörper vor Ort und übernehme die Befüllung, Endmontage und Qualitätsprüfung. CSG liefere hochwertige Komponenten und stelle technische Unterstützung bereit, um die Produktqualität und die Kompatibilität mit den eigenen Fertigungsstandards sicherzustellen.
Lizenzmodell war schnellste Lösung
Laut CSG war die Wahl eines Lizenzmodells vor allem darauf ausgerichtet, die Realisierung der Produktion vor Ort zu beschleunigen. „Bei der Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Gründung eines potenziellen Joint Ventures stießen wir auf komplexe ukrainische Vorschriften und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit mit dem tschechischen Recht. Die Übertragung der Lizenz erwies sich daher als einfachere und schnellere Lösung“, erläutert Čírtek.
Die anfängliche Produktionskapazität beträgt 100.000 Schuss 155-mm-Artilleriemunition und 50.000 Schuss 105-mm-Munition pro Jahr. In den kommenden Jahren soll diese Kapazität um ein Vielfaches gesteigert werden. Zunächst wird rund die Hälfte der Produktion in der Ukraine realisiert, mit dem Ziel, eine Eigenversorgungsquote von 80 Prozent zu erreichen. Im Laufe der Projektumsetzung soll zudem auch die Produktion von Zündkomponenten schrittweise in die Ukraine verlagert werden.
Bahnbrechend für die Ukraine, strategischer Schritt für CSG
Das Projekt gilt als bahnbrechend für die Ukraine, die erstmals großkalibrige Munition unter einer ausländischen Lizenz herstellt. „Diese Kooperation ist ein wichtiger Schritt, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken und ihre Versorgungsketten zu diversifizieren. Jede einzelne produzierte Patrone ist entscheidend für die Verteidigung des Landes“, unterstreicht Vladyslav Belbas, CEO von Ukrainian Armor.
Für CSG ist das Lizenzprojekt ein strategischer Schritt, um die langfristige Position des Unternehmens in der ukrainischen Verteidigungsindustrie zu stärken. Gleichzeitig ergänzt es seine Aktivitäten im Rahmen der Tschechischen Munitionsinitiative, die weiterhin der Hauptkanal für die Lieferung von großkalibriger Munition an die Ukraine bildet und von einer internationalen Geberkoalition finanziert wird.
Redaktion/AF






