StartBewaffnung155-mm-Clustermunition: 30.000 Schuss pro Jahr für U.S. Army

155-mm-Clustermunition: 30.000 Schuss pro Jahr für U.S. Army

Die U.S. Army plant, künftig bis zu 30.000 Schuss der 155-mm-Clustermunition XM1208 pro Jahr zu beschaffen. Das geht aus einer am 20. November veröffentlichten Marktsichtungsaufforderung hervor. Demnach sucht das Army Contracting Command bis zum 22. Dezember Hersteller, die diese Forderung gemeinsam erfüllen können. Ein Datum für die Umsetzung wird nicht genannt.

Das Geschoss XM1208 enthält neun M99 Advanced Submunitions und ist für den Verschuss aus den 155-mm-Rohren mit 39 Kaliberlängen der Panzerhaubitze M109A6/7 Paladin sowie der gezogenen Haubitze M777A2 ausgelegt. Die Höchstschussweite beträgt etwa 22 Kilometer. Nach einer voreingestellten Flugdauer wird die Submunition durch einen M762A1 Zünder ausgestoßen. Danach werden die Einzelprojektile geschärft und gehen durch ein Band stabilisiert zu Boden.

U.S. Army will Blindgängerrate reduzieren

Primäre Wirkungsart ist durch Luftdetonation 1,5 Meter über dem Boden, wodurch 1.200 vorgeformte Wolframsplitter freigesetzt werden. Versagt der Annäherungszünder, gibt es einen Aufschlag-, einen pyrotechnischen und zwei elektronische Zünder als Backup. Dadurch soll die Blindgängerrate unter ein Prozent betragen. Obwohl die USA nicht Mitglied des Osloer Übereinkommens gegen Streumunition von 2008 sind, bemühen sie sich damit, dessen Bestimmungen zu erfüllen.

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Die Oslo-Konvention verbietet den Unterzeichnerstaaten Herstellung, Besitz, Einsatz und Weitergabe von Streumunition mit zehn oder mehr Bomblets von je vier Kilogramm Masse oder weniger, die nicht über elektronische Zielsuch- und Selbstzerstörungs- bzw. Deaktivierungsmechanismen verfügen. Ausgenommen sind auch Typen mit Submunition von mindestens je 20 Kilogramm Masse, unabhängig von enthaltener Anzahl und Mechanismen. Sie entstand aufgrund der Problematik, dass Submunitions-Blindgänger große Gebiete gefährlich für die Zivilbevölkerung machen.

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Ukrainekrieg steigert Bedeutung von Clustermunition

XM1208 soll daher zusammen mit der Panzerabwehr-Clustermunition XM1180 im Rahmen des Vorhabens Cannon-Delivered Area Effects Munition (C-DAEM) die aus den 1970er Jahren stammende Dual-Purpose Improved Conventional Munition (DPICM) mit einer Blindgängerrate von zwei bis 14 Prozent ablösen. Hintergrund ist auch die Änderung der globalen Sicherheitslage durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dort haben beide Seiten Clustermunition eingesetzt. Unter anderem haben die USA DPICM an die Ukraine geliefert.

Mit Wirkung zum 6. März 2025 ist das an Russland angrenzende baltische NATO-Mitglied Litauen mittlerweile aus der Oslo-Konvention ausgetreten. Insgesamt bemühen sich westliche Staaten aufgrund der neuen Bedrohung durch Russland, die Produktion von Artilleriemunition erheblich zu steigern. In den USA wurden zuletzt insgesamt 40.000 Schuss pro Monat hergestellt. Für 2026 wird eine Jahresproduktion von über einer Million angestrebt.

Redaktion/sab