Das polnische Heer hat die ersten 15 Serienfahrzeuge des Schützenpanzers Borsuk erhalten. Insgesamt soll das erste Los 111 Stück umfassen, die zusammen mit fünf Vorserienfahrzeugen bis 2029 die beiden Panzergrenadierbataillone der 15. Mechanisierten Brigade ausstatten sollen. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der polnischen Beschaffungsagentur und Hersteller Polska Grupa Zbrojeniowa (PGZ) über ein zweites Los in ähnlicher Größe, das vermutlich an die ebenfalls der 16. Mechanisierten Division unterstellte 20. Mechanisierte Brigade gehen wird.
Laut eines Rahmenvertrags von 2023 plant Polen, insgesamt 1.014 Schützenpanzer und 341 Unterstützungsfahrzeuge auf Borsuk-Fahrgestell zu beschaffen. Zu den geplanten Varianten gehören ein Führungsfahrzeug, ein Späh-, ein Berge- und ein ABC-Spürpanzer sowie ein 120-mm-Mörserträger und ein Krankentransporter. Hinzu kommen mehrere Pioniervarianten einschließlich einer Minenwerfer-Plattform. Der Schützenpanzer soll die polnische BMP-1-Variante BWP-1 ablösen, von der bereits große Teile des Bestands an die Ukraine abgegeben worden sind.
Schwimmfähigkeit war entwurfsbestimmend für Borsuk
Der Borsuk (Dachs) entstand aus einem 2014 gestarteten Entwicklungsprogramm für einen Nachfolger des Schützenpanzers BWP-1, polnische Bezeichnung für den sowjetischen BMP-1. 2017 wurde ein Technologiedemonstrator vorgestellt und ein Prototyp ab dem folgenden Jahr getestet, was zu verschiedenen Änderungen führte. Ab 2022 durchliefen vier weitere Prototypen Truppenversuche. Ein grundlegender Entwurfsparameter war die Schwimmfähigkeit wie beim Vorgängermodell.
Der Schützenpanzer hat ein Gefechtsgewicht von 28 Tonnen und ist mit dem unbemannten Turm ZSSW-30 ausgestattet, der eine fremdgetriebene Bushmaster Mk44S 30-mm-Maschinenkanone mit rund 300 Schuss Bereitschaftsmunition und ein koaxiales Maschinengewehr UKM-2000 (Modifikation des sowjetischen PKM für das NATO-Kaliber 7,62 x 51 mm) mit Zuführung durch 250-Schuss-Gurt enthält. Hinzu kommen zwei Starter für Panzerabwehr-Lenkflugkörper Spike-LR und acht Nebelwurfbecher Kaliber 81 mm. Die Fahrzeugbesatzung umfasst drei Mann plus sechs Mann Absitzstärke.
Antrieb, Schutz und Sensorik
Der Antrieb erfolgt über einen MTU 8V199 TE20 Turbodiesel mit 720 PS und Allison 3040 MX-Getriebe mit vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen. Dieser verleiht dem Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h auf der Straße und acht km/h im Wasser über zwei Wasserjets. Hierfür wird zudem ein Schwallbrett am Bug ausgefahren. Die Reichweite an Land beträgt 550 Kilometer. Das Fahrgestell ist über den Frontbereich mindestens nach NATO-STANAG Level 4 gegen Beschuss mit panzerbrechenden Geschossen Kaliber 14,5 mm, seitlich nach Level 3 gegen Kaliber 7,62 mm und von hinten gegen „ballistische Bedrohungen“ geschützt.
Einige Quellen geben einen Schutz gegen russische 30-mm-Geschosse über einen Frontbereich von +/- 30 Grad und 14,5 mm seitlich an, wobei sich dies möglicherweise auf eine Ausstattung mit Zusatzpanzerung bezieht. Entsprechende Befestigungspunkte sind vorhanden. Der Turm hat ein Richtschützenvisier GOC-1 Nike und ein Panoramavisier GOD-1 Iris für den Kommandanten mit Hunter-Killer-Fähigkeit zur Zielübergabe an den Richtschützen oder dessen Übersteuerung. Beide verfügen über Tag- und Nachtsichtkanäle mit Laser-Entfernungsmesser und einem Autotracker für Ziele.
Zudem gibt es ein optisches Notvisier ohne Anbindung an das Feuerleitsystem. Der Fahrer hat drei Periskope und eine Fahrkamera, da seine Sicht bei ausgeklapptem Schwallbrett sonst blockiert wäre. Drei in das Feuerleitsystem eingebundene Kameramodule mit jeweils drei Tag- und Nachtsichtkameras zeigen sowohl der Fahrzeugbesatzung als auch dem Absitztrupp ein Rundumbild. Zukünftig soll dies auch über Augmented Reality (AR)-Brillen mit KI-Unterstützung für die Zielerkennung erfolgen können.
Stefan Axel Boes







