WTR-Autorenteam
Nachtsichttechnologie wird bei Dunkelheit und damit auch bei Missionen in Tunneln oder Gebäuden eingesetzt. Es geht darum, Gefahren oder Ziele schneller, einfacher oder auf größere Entfernungen entdecken, erkennen und identifizieren zu können. Die Nachtsicht soll der eigenen Seite die Feldüberlegenheit und damit einen Vorteil auf dem Weg zum Sieg bieten.
Nachtsichtbrillen (Night Vision Goggles, NVG) sowie entsprechende Waffenoptiken gehören heute zum Arsenal jeder modernen Streitkraft. Die Verbreitung nimmt zu und ist mittlerweile nicht mehr nur den Spezialkräften vorbehalten. Auch die Bundeswehr schafft Nachtsichtbrillen und Waffenoptiken in großen Stückzahlen an. Denn die Nachtkampffähigkeit ist entscheidend, um das heutige Gefechtsfeld zu dominieren. Bisher war das „Konzept plattformungebundene Nachtsehfähigkeit der Bundeswehr“ (KonzNachtSehFäBw) die Grundlage. Das neue Konzept ist in der Mitprüfung/Mitzeichnung und wird für Anfang kommenden Jahres erwartet.
In Bereich der Nachtsicht kommen unterschiedlichste Technologien zum Einsatz. Die Zukunft ist eine Kombination aus Restlichtverstärker, Wärmebildgerät (WBG) und digitalen Informationen. Entscheidend ist der jeweilige Wellenlängen-Detektionsbereich der Detektoren-Technologie. Daraus ergeben sich die jeweiligen Vor- und Nachteile. So bewegen sich CMOS-Kameras (Complementary Metal-Oxide-Semiconductor) im Wellenlängenbereich von 0,4 bis 1,08 Mikrometern. Mit ihnen ist Farbsehen auch bei sehr schwachem Licht sowie eine Durchsicht durch Glas möglich.
Im Bereich Restlichtverstärker kommen Nachtsichtröhren zum Einsatz. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben. Dabei wird durch den Nutzer schwarz/weiß als ruhigstes und oft angenehmstes, gelb als hellstes und grün als kontrastreichstes Bild wahrgenommen. Grüner Phosphor war über Jahrzehnte der Standard, wird aber außer für Luftfahrtbesatzungen durch viele Hersteller immer weniger angeboten und durch weißen Phosphor ersetzt.
Die Qualität der Röhren wird durch den FOM (Figure-of-Merit)-Wert angegeben. Dieser ergibt sich aus der Multiplikation der Auflösung mit dem Wert Signal-to-Noise. Als FOM-Standard gilt aus US-amerikanischer Sicht 2.200, für die Spezialkräfte 2.600. Zumindest sind Röhren mit diesen Eigenschaften aus den USA an NATO-Partner exportierbar. Für US-Streitkräfte sind Röhren mit FOM-Werten von 3.000+ verfügbar.
Exosens, ehemals Photonis, feierte auf der Milipol 2025 in Paris die Premiere der neuen 5G-Röhre. Damit soll angedeutet werden, dass es sich um die 5. Generation handelt. Nach US-Verständnis gibt es aber nach wie vor nur 3G+. Die neue Photonis 5G wiegt 95 Gramm pro Röhre und soll ein FOM-Minimum von 2.500 und ein Maximum von 2.800 bieten. Die Lebenszeit wird mit 10.000 Stunden angegeben. Hier ist der Standard nach wie vor P43 Phosphor Grün – P45 Phosphor Weiß ist als Option erhältlich.
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