WTR-Autorenteam
Lange war die Elektronische Kampfführung (EloKa) in der Bundeswehr nur dazu da, die Auslösung von Improvised Explosive Devices (IEDs; Improvisierte Spreng- und Brandvorrichtungen) in Einsatzgebieten wie Afghanistan zu verhindern. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich dies grundlegend geändert. Nicht nur die Ukraine, sondern auch die deutschen Truppen in Litauen oder sogar mitten in Zentraleuropa können fast täglich die Auswirkungen spüren.
So liegt dem Investigativ-Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) eine eingestufte Analyse der Bundeswehr zur Bedeutung des elektromagnetischen Kampfes aus dem Frühjahr 2024 vor. Darin heißt es: „Die russischen Streitkräfte haben beginnend ab 2008 ihre Fähigkeiten für den Funkelektronischen Kampf (FEK) in erheblichem Umfang gesteigert und weiterentwickelt. (…) Das russische Heer hat insgesamt fünf Brigaden mit jeweils vier Bataillonen und einer Kompanie aufgestellt“, die den russischen Militärbezirken zugeordnet seien, um den „elektromagnetischen Kampf in allen (…) Handlungsfeldern zu führen.“
Sie seien somit befähigt, „jede Bewegung und jede Operation“ mit diesen Fähigkeiten durchzuführen. In der Ukraine habe Russland anfangs keinen großen Mehrwert aus seinen Fähigkeiten ziehen können, weil das Militär oftmals unkoordiniert vorgegangen sei. Teilweise seien die Einheiten von eigenen Störaktionen betroffen gewesen. Mittlerweile aber hätten die russischen Streitkräfte ihre Lehren gezogen und würden die Kräfte zum elektromagnetischen Kampf erfolgreich und gezielt einsetzen, so die Analyse weiter.
Die Bundeswehr und weitere westliche Staaten haben nach dem Ende des Kalten Krieges hingegen EloKa-Einheiten abgebaut und die technologische Modernisierung schleifen lassen. Denn diese Fähigkeiten waren in Einsatzgebieten wie Afghanistan oder Irak nicht notwendig. Mit Blick gen Osten benötigt die EloKa der Bundeswehr aber leistungsfähige Aufklärungs-, Stör- und Auswertesysteme sowie modernisierte Schutztechnik, gerade gegen die Drohnen-Bedrohung. Russland betrachte diese Fähigkeiten als „essenziellen Beitrag zum Sieg“, so ist es in der Bundeswehr-Analyse nachzulesen. Daher muss der Elektronische Kampf in jeder Operation als selbstverständlich angesehen werden.
Schutz vor Drohnen
Das Thema Drohnenbedrohung und Drohnenabwehr (Counter-Unmanned Aerial Systems, C-UAS) ist mittlerweile allgegenwärtig. Dies haben in den letzten Monaten die Vorkommnisse rund um europäische Flughäfen und kritische Infrastruktur deutlich aufgezeigt. Hinzu kommen Störungen von Kommunikationsmitteln oder des GPS-Signals.
Die westliche Luftüberlegenheit ist nicht mehr selbstverständlich. Da Drohnen mittlerweile für jeden zugänglich sind, hat sich die Bedrohungslage drastisch verändert. Jede Einheit ist an der Luftverteidigung beteiligt, so wie früher bei der Fliegerabwehr aller Truppen. Dies umfasst die Bekämpfung von Luftzielen zur Selbstverteidigung durch alle Truppen, die nicht auf diesen Einsatzzweck spezialisiert sind. In der Regel mit den vorhandenen kinetischen Bewaffnungen wie Sturm- und Maschinengewehr.
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