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Boeing gab am 1. September bekannt, dass das Unternehmen die erste MH-47G Block II Chinook pünktlich an das U.S. Special Operations Command (USSOCOM) ausgeliefert hat. Bis 2022 sollen 14 weitere Maschinen folgen. Mit der ersten MH-47G Block II Chinook führt das USSOCOM die neuste Generation des Transporthubschraubers für Spezialkräfte ein. Damit werden neue Technologien eingeführt und Leistungsverbesserungen erreicht. Der MH-47G Block II ist die Special-Operation-Forces-Variante (SOF) des CH-47 Chinook Transporthubschraubers. Die Maschinen werden im Boeing-Werk in Pennsylvania gefertigt, wo neben der Chinook auch die V-22 Osprey und MH-139A Grey Wolf produziert werden.

„Diese Auslieferung ist ein wichtiger Schritt für das Chinook-Programm“, so Andy Builta, Vizepräsident und CH-47-Programmmanager. „Mit der neuen Chinook werden die US-Spezialkräfte wesentlich mehr Fähigkeiten für ihre extrem herausfordernden Einsätze erhalten und in die Lage versetzt, diese Einsätze erfolgreich auf dem künftigen Gefechtsfeld durchzuführen“, so Builta weiter.

Das USSOCOM hatte erst im Juli 2020 einen Beschaffungsvertrag im Wert von 265 Millionen US-Dollar für neun zusätzliche MH-47G Block II Chinook unterzeichnet, S&T berichtete. Die ersten Serienmaschinen aus diesem Vertrag sollen ab 2023 zulaufen. Der MH-47G-Hersteller Boeing hat somit insgesamt drei laufende Verträge für die Herstellung und Lieferung von insgesamt 24 MH-47G Block II an das USSOCOM. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl auf bis 69 Stück erhöhen wird.

Die Boeing CH-47 Chinook ist in vielen Nationen das Arbeitspferd und Rückgrat zur Verbringung von Spezialkräften in die jeweiligen Einsatzgebiete. Weltweit fliegen mehr als 1.500 CH-47 in über 20 Ländern. Dazu gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Kanada, Australien, die Niederlande, Spanien, Italien, Griechenland, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate, Japan, Thailand, die Türkei, Indien sowie Ägypten.

Die Boeing CH-47 Chinook ist in vielen Nationen das Arbeitspferd und Rückgrat zur Verbringung von Spezialkräften in die jeweiligen Einsatzgebiete. (Foto: Boeing)

Boeing MH-47G

Die Boeing MH-47G Chinook ist die Spezialkräfte-Variante des weitverbreiteten CH-47-Chinook-Transporthubschraubers. Die erste MH-47G wurde im Mai 2004 an das United States Army Special Operations Command (USASOC) ausgeliefert. Das 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne) der U.S. Army hat einen operationellen Bedarf von über 60 Maschinen dieses Typs. Es ist eine Variante, die sich durch spezielle Erweiterungen und Systeme von den normalen Chinook-Maschinen abhebt. Dazu gehören unter anderem die Fähigkeit zur Luftbetankung, ein zusätzliches Fenster für einen Bordschützen sowie diverse Selbstschutzsysteme – Common Missile Warning System (CMWS), ein integrierter Störsender, ein Laserwarngerät sowie XM216-Flares.

Dank der zusätzlichen SOF-Systeme wiegen die MH-47 Maschinen deutlich mehr – rund 2.000 Pfund (ca. 900 kg) – als die Standard CH-47 Maschinen der U.S. Army. (Foto: Boeing)

Außerdem kann der Hubschrauber mit Special-Operations-Ausrüstungen wie Fast Rope Insertion Extraction System (FRIES), einem Special Patrol Insertion and Extraction System (SPIES), einer Strickleiter, einer elektrisch betriebenen Rettungswinde sowie einem Personnel Location System (PLS) ausgestattet werden. Dank der zusätzlichen SOF-Systeme wiegen die MH-47 Maschinen deutlich mehr – rund 2.000 Pfund (ca. 900 kg) – als die Standard-CH-47-Maschinen der U.S. Army.

Block II

Bei Block II handelt sich um eine Produktverbesserung der Boeing H-47. Diese soll unter anderem neue Rotorblätter, verbesserte Getriebe, nichtsegmentierte Tanks und eine Erhöhung der Nutzlast (ca. 1,8 t) und Reichweite beinhalten.

Vor der jetzt ausgelieferten Maschine wurden seitens Boeings bisher nur drei Test- und Entwicklungsmaschinen gefertigt. Das Unternehmen gab am 16. Januar 2020 den erfolgreichen Erstflug der H-47 Chinook Block II mit den neuen und verbesserten Rotorblättern (Advanced Chinook Rotor Blade – ACRB) bekannt. Die neuartigen Rotorblätter aus Verbundwerkstoffen wurden ursprünglich für den Aufklärungshubschrauber RH-66 Comanche entwickelt, welcher jedoch nie in Serie ging. Im März 2019 wurde bereits der erfolgreiche Erstflug der H-47 Block II – damals noch mit den Standard-Rotorblättern – durchgeführt. Über den jetzigen Test wurden von Boeing noch keine weiteren Einzelheiten bekanntgegeben, abgesehen davon, dass die neuen ACRB dem Hubschrauber einen zusätzlichen Auftrieb von 771 kg verleihen. Bei der ursprünglichen Planung für das Block-II-Programm war man von 680 kg (bei ca. 1.200 m Höhe und 35°C Außentemperatur im Schwebeflug) ausgegangen.

ACRB ist Teil einer umfassenderen Block-II-Verbesserung für die H-47 Chinook, die darauf abzielt, die im Laufe der Jahre verlorene Tragfähigkeit wiederherzustellen, z.B. weil zusätzliche Missionsausrüstung hinzugefügt wurde. Neben den neuen Rotorblättern mit fortschrittlicher Geometrie und einem neuen asymmetrischen Tragflächenprofil enthält Block II ein neues Antriebssystem, welches die Kraftübertragung auf die Rotorblätter verbessert und ein um bis zu neun Prozent höheres Drehmoment erzeugt. Auch ein Einzellen-Kraftstofftank auf jeder Seite (die bisherigen drei Treibstoffzellen in jeder Fahrwerksgondel werden zu einer großen Zelle zusammengelegt; der Wegfall der Ausrüstung zum Transfer von Treibstoff zwischen den Zellen spart ca. 90 kg Gewicht ein und steigert geringfügig die Treibstoffkapazität), elektrische Systemverbesserungen sowie weitere, bisher nicht spezifizierte Modifikationen an der Flugzelle werden zur Leistungssteigerung der Chinook beitragen.

André Forkert