Cargo Mule – Bundeswehr testet THeMIS-UGV in Lehnin

Waldemar Geiger

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Die Bundeswehr hat in dieser Woche im Rahmen einer F&T-Studie unterschiedliche marktverfügbare Systeme von unbemannten Bodenfahrzeugen in wechselnden Einsatzszenarien auf dem Truppenübungsplatz Lehnin erprobt, S&T berichtete. Nun hat Milrem Robotics, Hersteller eines der an den Tests beteiligten Systeme, Videoimpressionen von der Erprobung des THeMIS veröffentlicht.

In dem Video ist zu sehen, wie der THeMIS durch Infanteriekräfte des Wachbataillons in unterschiedlichen taktischen Lagen erprobt wird. Im Einzelnen werden folgende Lagen dargestellt:

  • Selbstständiges Folgen im bewaldeten Gelände,
  • Abschleppen von liegengebliebenen Kraftfahrzeugen,
  • Marsch mit KFZ und
  • Verhalten bei Kontakt-Drills.

THeMIS

THeMIS steht für Tracked Hybrid Modular Infantry System und wird derzeit in mehreren NATO-Staaten, darunter der Niederlande, Estland und dem Vereinigten Königreich, erprobt. Die estnischen Verteidigungskräfte haben THeMIS während der UN-Mission MINUSMA (Mission multidimensionelle integrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali) 12 Monate lang in Mali eingesetzt, S&T berichtete. Verschiedene EDF-Einheiten haben bei mehreren militärischen Übungen Erfahrungen mit dem UGV aus erster Hand gesammelt.

THeMIS ist ein modulares unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) mit diesel-elektrischem Hybridantrieb. Als Universal-Plattform kann es beispielsweise für Transportaufgaben, als Waffenträger (fernbedienbare Waffenstation bis 30mm), für EOD-Aufgaben und für Aufklärung konfiguriert werden. Mit der Multimissionsfähigkeit kann ein breites Spektrum an Unterstützung für abgesessene Truppen schnell verfügbar gemacht werden.

Bei einem Eigengewicht von 1.630 kg kann THeMIS bis zu 1.200 kg Nutzlast tragen. Das Kettenfahrwerk ist für hohe Geländegängigkeit ausgelegt. Die vom Dieselmotor über einen Generator gespeisten Batterien (wahlweise Blei oder Li-Ion) ermöglichen Betrieb bis 15 Stunden. Als Höchstgeschwindigkeit ist 20 km/h angegeben. Die Funkfernsteuerung reicht über 1,5 km.

Cargo Mule

Die Bundeswehr beabsichtigt, die Infanterie mit unbemannten Bodenfahrzeugen für logistische Einsatzzwecke auszustatten und erprobt dazu im Rahmen einer F&T-Studie unterschiedliche marktverfügbare Systeme in wechselnden Einsatzszenarien.

Diee Woche führte das Amt für Heeresentwicklung (Abteilung II 2) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (Abteilung U6.2), der Wehrtechnischen Dienststelle 81, dem Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE und der 6. Kompanie des Wachbataillons eine Erprobung zweier marktverfügbarer Systeme auf dem Truppenübungsplatz Lehnin durch. Im Schwerpunkt der derzeitigen Erprobungen steht das selbstständige Folgen von beladenen Unmanned Ground Vehicles im bewaldeten Gelände. Für die aktuellen Tests werden die UGV Ziesel von Hentschel und Diehl Defence sowie THeMIS (Tracked Hybrid Modular Infantry System) von Milrem Robotics genutzt.

Im Herbst 2019 wurden an der Infanterieschule in Hammelburg Tests mit den ferngesteuerten Systemen Mission Master (Rheinmetall), Ziesel (Hentschel und Diehl Defence) sowie Probot (Elbit Sysystems) durchgeführt, um erste praktische Erkenntnisse zu gewinnen. Dem Vernehmen nach fielen diese bei den teilnehmenden Nutzern des Heeres positiv aus. Es wird beabsichtigt, in Zukunft auch andere marktverfügbare Systeme zu testen.

Solche UGV sollen zukünftig als Cargo Mule, auf Deutsch Lastenmuli, in den schweren Zügen der Infanterie eingesetzt werden und beim Transport der schweren abgesessenen Waffen, wie beispielweise Granatmaschinenwaffen (GraMaWa) und MELLS-Panzerabwehrlenkflugkörper, unterstützen. Für eine Vollausstattung wären somit sechs Systeme, je drei GraMaWa und drei MELLS, notwendig.

Waldemar Geiger