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Die Geschichte rund um die Suche nach dem Nachfolger für das G36-Sturmgewehr ist um eine Episode reicher geworden: Medienberichten zufolge hat das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) heute Verteidigungspolitiker im Bundestag darüber informiert, dass das Ministerium den Auftrag für ein neues Sturmgewehr nicht mehr an C.G. Haenel vergeben will. In den Medienberichten, die sich überwiegend auf dpa berufen, wird keine detaillierte Begründung für den Ausschluss des Unternehmens aus dem Vergabeverfahren angeführt.

Somit scheint es, dass Heckler & Koch als einziger noch verbliebener Anbieter im Wettbewerb, den Zuschlag zur Lieferung eines neuen Sturmgewehrs erhalten wird. Vorbehaltlich des Rechtsweges könnte somit eine auf die Bundeswehrausschreibung zugeschnittene Version des HK416 die neue Ordonanzwaffe der deutschen Streitkräfte werden.

Unklar bleibt jedoch, wann die deutschen Soldaten mit einem neuen Sturmgewehr ausgerüstet werden können, da die Haenel-Geschäftsführung vor wenigen Wochen juristische Schritte angekündigt hat, sollte das Unternehmen aus dem Verfahren ausgeschlossen werden, wie S&T berichtete.

Weiterer Zeitplan

Ursprünglich war vorgesehen, die Einsatzerprobung für die einzelnen Varianten (kurzes und langes Rohr) des neuen Sturmgewehres rund ein halbes Jahr nach dem Vertragsschluss zu beginnen. Die Tests sollten dann nach etwa einem Jahr abgeschlossen werden. Knapp eineinhalb bis zwei Jahre nach Vertragsschluss sollten dann die ersten der insgesamt 118.718 georderten Sturmgewehre in die Truppe kommen. Die Gesamtdauer für die Umstellung der Waffen sollte über ein halbes Jahrzehnt in Anspruch nehmen, da in der Ausschreibung eine jährliche Liefermenge von bis zu 20.000 Gewehren vorgesehen war.

Beobachter erwarten, dass die zeitliche Sequenz nun auch mit Heckler & Koch in ähnlicher Art und Weise verhandelt wird. Fraglich ist nur, wann der Vertrag unterzeichnet werden kann. Sollte Haenel den Klageweg ausschöpfen, würde dies das Verfahren erheblich – womöglich um Jahre – verzögern.

Waldemar Geiger