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Die finnischen Streitkräfte erhalten ein neues Präzisionsselbstladegewehre in zwei unterschiedlichen Varianten. Einer Mitteilung der finnischen Streitkräfte zufolge hat Verteidigungsminister Antti Kaikkonen die Beschaffung eines neuen Präzisionsgewehrsystems in zwei Versionen sowie die dazugehörige Munition autorisiert. Zeitgleich wurde die Implementierung der im September mit Schweden geschlossenen technischen Vereinbarung zur gemeinsamen Handwaffenbeschaffung und weiterer Komponenten des Systems Soldat beschlossen.

Trotz zahlreicher Modernisierungsbemühungen ringen die finnischen Streitkräfte in Bezug auf die querschnittliche Ausstattung mit Präzisionshandwaffen mit gravierenden Obsoleszenzen. Die Scharfschützen verwenden das aus den 1980er Jahren stammende TKIV 85 Gewehr, während die in der Infanterie ausgegeben Designated Marksman Rifle bis heute das aus sowjetischer Produktion stammende Dragunov SWD ist. Mit dem neuen System soll diesem Umstand begegnet werden.

Als Vertragsnehmer auf Seiten der Industrie für das beschlossene Vorhaben fungierte das finnische Traditionsunternehmen Sako, welches seit 2000 zu der Beretta Holding gehört. Der seit 100 Jahre bestehende Gewehrspezialist entwickelte das Handwaffensystem in enger Abstimmung mit den finnischen Streitkräften auf Basis des AR-10 im Kaliber 7,62 mm x 51. Als Gewehr 23 bezeichnet, soll es in zwei verschiedenen Versionen eingeführt und mit Zubehör wie Nachtsehoptronik und Signaturreduzierer ausgestattet werden.

Der Inspekteur der finnischen Infanterie Oberst Rainer Peltoniemi hob zudem die einheimische Fertigung der Waffenfamilie und die damit verbundenen gesteigerte Versorgungssicherheit sowie den Erhalt der Fähigkeit Handwaffenfertigung im eigenen Land hervor.

Die als Selbstladepräzisionsgewehr 23 bezeichnete Waffe wird gut informierten Kreisen zufolge mit einer M7Xi 2,9 bis 20 x 50 Optik von Steiner Optik GmbH ausgerüstet werden. In Verbindung mit einer optimierten Munitionssorte wird das System das ebenfalls von Sako stammende TKIV 85 Gewehr der Scharfschützen ablösen und in Zukunft das Bekämpfen von Zielen bis zu einer Entfernung von 800 Metern sicherstellen. Das auf dem gleichen System basierenden Designated Marksman Rifle (DMR) 23 wird über eine andere, derzeit noch nicht näher spezifizierte Optik verfügen und den gezielten Feuerkampf bis 600 Meter sicherstellen. Letztere Waffe soll die Dragunow in den Infanterieverbänden ablösen und die Feuerkraft auf Gruppenebene deutlich steigern.

Das Gewehrsystem 23 könnte indes auch eine zukünftige Option für die schwedischen Streitkräfte darstellen. Diese suchen jedoch vorrangig einen Nachfolger für das in die Jahre gekommen Sturmgewehr AK5 welches auf dem FN FNC beruht. Im Zuge der Berichterstattung um den Themenkomplex wurde vor einigen Wochen bekannt, dass die schwedischen Streitkräfte kein neues Gewehr im Kaliber 5,56 mm x 45 suchen, sondern den Schritt zu 7,62 mm x 51 tätigen wollen. Die zeitgleich mit der Präzisionsgewehrbeschaffung erfolgende Ankündigung der Implementierung des gemeinsamen schwedisch – finnischen Entwicklungs- und Beschaffungsvorhabens im Bereich des Systems Soldat könnte der Entwicklung auf schwedischer Seite einen neuen Impuls geben. So wurde in Herbst ebenfalls bekannt, dass neben dem Sturmgewehr und DMR Beschaffung langfristig auch Maschinengewehre und eine Personal Defense Weapon (DMR) projektiert wurden. Wann diese Meilensteine erreicht werden können, ist jedoch vollkommen unklar. Aktuell beschränkt sich der Wert des finnischen Anteils auf zehn Millionen Euro und ist bei 525 Mio. Euro gedeckelt. Über den schwedischen Anteil sind noch keine Angaben verfügbar.

Kristóf Nagy