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Die Digitalisierung der Streitkräfte und andrer staatlicher Organisationen ist schon lange kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits seit geraumer Zeit gelebte Realität. Selbst der abgesessene Kampf wird zunehmend stärker durch neue Technologien geprägt. Dennoch sind manche Schlüsselbegriffe und die sich dahinter verbergenden Themenkomplexe gerade für ältere Soldaten nicht immer vollkommen klar, schließlich werden sie erst relativ spät in ihrer Dienstzeit mit diesen konfrontiert und sind im Gegensatz zur jüngeren Generation kein sogenannter Digital Native, sondern ein Digital Immigrant.

Die Joint Special Forces University geht in ihrer Publikation „Big Data for Generals … and Everyone Else over 40“ genau dieser Frage nach und will den angesprochenen Migrationsprozess begleiten und erleichtern. Dazu ist die Monografie ungekürzt in englische Sprache online verfügbar gemacht worden: Big Data for Generals … and Everyone Else over 40

Trendanalysen im Bereich der sozialen Medien oder gesammelter Metadaten, welche durch rechnergestützte Analysetools wie beispielsweise dem US-Projekt Maven verarbeitet werden, gehören bereits heute zum Tagesgeschäft der US-Streitkräfte. Goethes Prinzip „Wer klare Begriffe hat, kann befehlen“ folgend ist es das Ziel und die Motivation der Publikation ist Führungskräften innerhalb der U.S. Special Operations Forces (SOF) Community das Vokabular und die Konzepte von Big Data zu vermitteln.

Das Werk ist nicht als Grundlagenliteratur für Fachpersonal gedacht. Vielmehr soll es Führer auf unterschiedlichen Ebenen dazu befähigen, das entsprechend geschulte Personal in seiner Rolle zu unterstützen, aber auch besser zu verstehen. Dadurch soll der mit digitalen Medien und Werkzeugen weniger vertraute Entscheidungsträger die aus dem digitalen Raum erzeugten Informationsinhalte und ihren Wert besser verstehen und für seinen Entscheidungsfindungsprozess nutzen können.

Die dargelegten Prozesse und die damit verbundene Terminologie, welche dem Leser nähergebracht werden soll, ist laut den Autoren sowohl für militärische und zivile Führungskräfte im gesamten SOF Umfeld relevant. So ist neben der Schaffung einer entsprechenden Umgebung mit allen Hardwarevoraussetzungen auch die Etablierung einer entsprechenden Nutzungs- und Führungskultur von entscheidender Bedeutung. Zudem versucht das Buch mit weit verbreiteten Missverständnissen in Bezug auf das finale Produkt und die zu erwartenden Ergebnisse aufzuräumen und ist bemüht, den militärischen und zivilen Führer mit realistischen Erwartungen auszustatten. Nicht zuletzt werden die Unterschiede in Bezug auf die rein kommerzielle Nutzung von Technologien wie der Big Data Analyse oder auch der grundsätzlichen Nutzung von künstlicher Intelligenz im Spezialkräftekontext herausgearbeitet.

Mit der Erläuterung dieser als teilweise disruptiv zu bezeichnenden Technologien und ihres Vokabulars ist die Publikation „Big Data for Generals … and Everyone Else over 40“ ein lohnender Einstieg für jeden Entscheidungsträger, der sich eingehend mit seiner im digitalen Umfeld zusehends verändernden Rolle auseinandersetzen will und dabei neben dem technischen auch die kulturellen und ethischen Aspekte aufgezeigt sehen möchte.

Kristóf Nagy