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Numquam Retro – das Jagdkommando des Bundesheeres

Interview mit Brigadier MMag. Philipp Ségur-Cabanac, Kommandant des Jagdkommandos

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Das in Wiener Neustadt stationierte Jagdkommando zählt zu den internationalen Tier-One-Spezialkräften mit hoher Einsatzerfahrung. Über die aktuelle Lage und die Herausforderungen seines Verbandes sprach Soldat & Technik mit dessen Kommandanten, Brigadier MMag. Philipp Ségur-Cabanac.

Die Geschichte des Jagdkommandos beginnt im Jahre 1963. Damals führte das Bundesheer den ersten Jagdkommando-Grundkurs durch. Standort der Jagdkommando-Soldaten war damals noch Wien. Den sicherheitspolitischen Hintergrund bildete seinerzeit eine von General Emil Spanocchi entwickelte Strategie zur Raumverteidigung. Diese zu Beginn der heißen Phase des Kalten Krieges entwickelte Spanocchi-Doktrin sah unter anderem vor, dass Jagdkommandos im Falle einer Besetzung Österreichs den Kampf gegen den Gegner mit Mitteln des Kleinkriegs fortführen sollten.

Seit 1965 gehört die Fallschirmsprungausbildung zum Jagdkommando-Kurs. 1967 erfolgte ein Umzug von Wien nach Hainburg in die dortige Marc-Aurel-Kaserne. Ab 1969 wurden auch Kampfschwimmer beim Jagdkommando ausgebildet. Mitte der 1970er kamen zudem Fernspähunternehmen sowie Sondereinsätze aller Art auf den Ausbildungsplan. Seit 1976 erfolgt die Jagdkommando-Ausbildung in Wiener Neustadt. In der dortigen Maximilian- und Flugfeld- Kaserne befindet sich die Liegenschaft des heutigen Verbandes.

Gemäß seinem Motto „Numquam retro – niemals zurück“ – entwickelte sich das Jagdkommando im Laufe der Jahrzehnte erheblich weiter. 1985 wurde es als Ausbildungszentrum Jagdkampf ein selbstständiger Truppenkörper. 2007 gliederte dann das Ausbildungszentrum Jagdkampf als Ausbildungsverband in den Einsatzverband Jagdkommando um. Heute besteht das Jagdkommando neben dem Stab aus mehreren Task Groups, welche den Kern der Kommandokräfte bilden. Dazu kommen die Lehrabteilung sowie die Einsatzbasis des Jagdkommandos. Letztere übernimmt vor allem die logistische Unterstützung.

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Jagdkommandosoldaten üben den Einsatz mit Fliegerkräften (Foto: Bundesheer)

Zu den Aufgaben des Jagdkommandos gehören:

  • Spezialaufklärung: Gewinnung von Schlüsselinformationen, Aufklärung und Überwachung von Räumen, Objekten, Netzwerken und Personen mit besonderer Bedeutung.
  • Kommandounternehmen: Einsatz gegen gegnerische Einrichtungen, Gruppierungen und Netzwerke, Festnahme von gesuchten Kriegsverbrechern sowie Gefangenen- und Geiselbefreiung von österreichischen Staatsbürgern auch aus Krisen- und Kriegsgebieten. Das Jagdkommando ist der Anti-Terror-Verband des Österreichischen Bundesheeres.
  • Militärische Unterstützung: Spezielle militärische Hilfeleistung (z. B. Ausbildung von Soldaten) auf Ersuchen von Partnern bzw. befreundeten Nationen auch in Krisengebieten.
  • Erstreaktionskraft des Österreichischen Bundesheeres in den Interessensgebieten Österreichs.
  • Kampfunterstütztes Suchen und Retten, beispielsweise abgestürzter Piloten.
    Einsatz von konsularischen Unterstützungsteams zum Beistand österreichischer Vertretungen im Ausland im Zusammenhang mit krisenhaften Entwicklungen (wie etwa beim Arabischen Frühling 2011 oder der COVID-19-Pandemie 2020).
  • Militärische Evakuierungsoperationen für österreichische und europäische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie sonstige Evakuierungsberechtigte aus Krisengebieten.

Voraussetzung für den Dienst im Jagdkommando bildet die mehr als ein Jahr lange Jagdkommando-Grundausbildung. Es schließen sich zahlreiche weitere Lehrgänge an. Zu den typischen Spezialisierungen in den Einsatzteams gehören Medic (Sanitätsspezialist), Fernmeldespezialist, Waffenspezialist und Pionier-Spezialist. Weitere Funktionen sind der für Anforderung von Feuerunterstützung qualifizierte SOTAC (Special Operations Terminal Attac Controller), der Scharfschütze, der Hundeführer (K9) oder der Spezialpionier (Masterbreacher). Im Bereich der Unterstützungskräfte gibt es Spezialisten für Führungs-, Kampf-, Einsatz- und technische Unterstützung. Hier hinter verbergen sich Fernmelder, Mörserbediener, Logistiker oder Spezialaufklärer.

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Seit 1969 werden Kampfschwimmer beim Jagdkommando ausgebildet (Foto: Bundesheer)

Das Jagdkommando kann auf eine lange Einsatzgeschichte zurückblicken. Verschiedene Missionen führten die Soldaten aus Wiener Neustadt nach Bosnien-Herzegowina, Albanien, in den Kosovo, Afghanistan, ins Mittelmeer, in den Tschad und die Republik Zentralafrika, nach Mali, Ägypten und Libyen. Auch an der Evakuierungsoperation im Spätsommer 2021 aus Afghanistan war der Verband beteiligt (siehe Kasten am Ende des Beitrages). Das Jagdkommando ist der einsatzerfahrenste Verband des österreichischen Bundesheeres.

Interview mit Brigadier MMag. Philipp Ségur-Cabanac, Kommandant des Jagdkommandos

S&T: Das Jagdkommando ist einst gebildet worden, um im Falle einer Besetzung Österreichs den Jagdkampf gegen den Gegner führen zu können. Spielt diese Kleinkriegsfähigkeit bei der Landesverteidigung heute noch eine Rolle bzw. wie hat sich das Aufgabenspektrum in Bezug auf die Landesverteidigung ergänzt und gewandelt?

Ségur-Cabanac: Das Aufgabengebiet des Jagdkommandos hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt.

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