StartStreitkräfteEstland zeigt Interesse an Raketenartilleriesystem HIMARS

Estland zeigt Interesse an Raketenartilleriesystem HIMARS

Kristóf Nagy

Print Friendly, PDF & Email

Die estnischen Streitkräfte interessieren sich offenbar für die Beschaffung von Raketenartilleriesystemen des Typs M142 High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS), wie aus jüngsten Veröffentlichung der Defense Security Cooperation Agency (DSCA) hervorgeht. Demnach hat das US-Außenministerium den Verkauf von sechs HIMARS-Systemen inklusive eines Bewaffnungspaketes sowie weiterer Leistungen genehmigt.

Der US-Kongress muss dem Erwerb der Raketenartilleriesysteme noch zustimmen. Erst nach dieser Zustimmung können der Käufer und die Industrie die finalen Details, inklusive des tatsächlichen Preises, aushandeln. Der Gesamtwert der DSCA-Beschaffung wird laut Mitteilung auf etwa 500 Millionen US-Dollar geschätzt.

Die estnischen Streitkräfte haben im Vorfeld den Wunsch geäußert, insgesamt sechs M142-Raketenartilleriesysteme zu erwerben. Das umfangreiche Munitionspaket umfasst unter anderem 36 Raketen des Typs M30A2 Guided Multiple Launch Rocket System (GMLRS) mit einer Reichweite von bis zu 92 km und einem Gefechtskopf, der aus inerten vorgeformten Wolframprojektilen sowie einem Annäherungszünder. Auch 36 M31A2 GMLRS-Raketen mit einem 100-kg-Sprengkopf bzw. 72 Extended Range GMLRS mit einer Reichweite von 150 km und zwei verschiedenen Gefechtsköpfen – 36 Raketen des Typs XM403 und 36 Raketen des Typs 404 –  sind Bestandteil des genehmigten Vorganges. Das M57 Army Tactical Missile System (ATACMS) ist mit 300 km Reichweite die leistungsfähigste Munitionssorte, welche von Estland beschafft werden soll. Angefragt wurde der Kauf von 18 Raketen.

Die von der DSCA eingereichten Dokumente wurde nach eingehender Prüfung von der US-Regierung genehmigt, sodass die Zustimmung des Kongresses und eine anschließende Abwicklung des Auftrages als sicher angenommen werden kann. Das von Estland beauftragte Paket beinhaltet neben den bereits erwähnten Waffensystemen auch ein Los Trainingsmunition, sowie ein ausführliches Logistik- und Ausbildungspaket. Damit soll die reibungslose Integration der M142 HIMARS in die estnischen Streitkräfte ermöglicht werden. Laut DSCA werden dazu bis zu 30 Vertreter der US-Streitkräfte und der Herstellerfirma den Vorgang vor Ort unterstützen.

Der Großteil der in Höhe von 500 Millionen US-Dollar veranschlagten Summe wird sich wohl aus dem Preis für die Raketenartilleriemunition zusammensetzen. So wurde beispielsweise der Preis auf eine ähnliche Anfrage der australischen Regierung auf einen Gesamtwert von 385 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Australier haben den Erwerb von 20 HIMARS-Raketenwerfern sowie einem im Vergleich zu Estland geringeren Munitionspaket angefragt.

Vergleich HIMARS-Genehmigungen der DSCA
Land Australien Estland
geschätzte Summe 385 Mio. US-Dollar 500 Mio. US-Dollar
Anzahl der HIMARS-Raketenwerfer 20 6
Anzahl der M30A2 Raketen 30 36
Anzahl der M31A2 Raketen 30 36
Anzahl der XM403 Extended Range-Raketen 30 36
Anzahl der XM404 Extended Range-Raketen 30 36
Anzahl der M57 (ATACMS) 10 18
M28A2 Trainingspods ja ja
Ausbildungs- und Logistikpaket ja ja

 

Die HIMARS-Systeme sind durch die Verwendung im Ukraine Krieg in den Fokus der Berichterstattung geraten, nachdem diese als erstes westliches Raketenartilleriesystem im Rahmen der US-Militärhilfe an die Ukraine geliefert wurden. Die ukrainischen Streitkräfte setzten die Systeme seit Wochen erfolgreich dazu ein, um logistische Einrichtungen sowie die Führungs- und Kommandostrukturen der russischen Streitkräfte zu bekämpfen.

Zudem hat das polnische Verteidigungsministerium Ende Mai angekündigt, die beachtliche Anzahl von 500 M142 beschaffen zu wollen. Das vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin produzierte Waffensystem ist ursprünglich als kosteneffizientere sowie in einer C-130 lufttransportierbare Alternative zum M270 MLRS entwickelt worden, welches auch als Mittleres Artillerie Raketen System (MARS II) bei der Bundeswehr einführt ist. Beide Systeme teilen sich Komponenten, wie die Raketenstartbehälter.

Kristóf Nagy