StartBewaffnungUS-Heer will Feuerkraft der Infanterieverbände verbessern

US-Heer will Feuerkraft der Infanterieverbände verbessern

Eric Graves

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Die U.S. Army erwägt, die Infanterie mit neuen Waffensystemen – einschließlich eines neuartigen Granatwerfers (Precision Grenadier System), eines mittleren Maschinengewehrs sowie eines neuen Mörsers für die Luftlandetruppe – auszustatten. Dies geht aus Ende September auf der Future Force Capabilities Conference von Beschaffungsbeamten des US-Heeres gehaltenen Vorträgen hervor. Die Konferenz wurde von der National Defense Industrial Association in Austin veranstaltet.

Demnach waren die Fähigkeiten zur Bekämpfung von Zielen hinter Deckungen sowie die Einführung eines mittleren Maschinengewehrs die zwei Schwerpunkte des Soldier-Lethality-Programmmanagers der U.S. Army.

Precision Grenadier System

Die Army hat bereits in der Vergangenheit an der Entwicklung eines Systems gearbeitet, das Ziele in Schützengräben und Kampfständen wirksam bekämpfen kann. Das als XM25 „Punisher“ bezeichnete System war das Ergebnis der XM29 Objective Individual Combat Weapon (OICW), die Mitte der 1990er Jahre als eine Waffe konzipiert wurde, die einen 5,56-mm-Sturmgewehr mit einem 20-mm-Air-Burst-System, im Wesentlichen einem programmierbaren Granatwerfer, kombinierte. Die beiden Systeme der OICW waren nicht miteinander verbunden, wobei das Sturmgewehr zum gescheiterten XM 8-Karabiner und der Granatwerfer zum XM 25 Individual Semi-automatic Airburst System weiterentwickelt wurde. Die letztgenannte Waffe wurde in Afghanistan getestet, wurde für den Einsatz allerdings als nicht ausreichend tauglich erachtet.

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XM-25 Individual Airburs Weapon System im Rahmen der Truppenerporbung in Afghanistan. (Foto: 16th Mobile Public Affairs Detachment)

Das US-Heer ist nach wie vor an dieser Fähigkeit interessiert, die allerdings eine Zeit lang eine geringere Priorität hatte, da die Auswahl des Next Geneneration Squad Weapon-Programms priorisiert wurde. Das Maneuver Center of Excellence erarbeitet derzeit die Anforderung für ein zukünftiges Precision Grenadier System (PGS). Das PGS ist als tragbares System zur Bekämpfung von Zielen hinter Deckungen gedacht, mit dem die Truppe in die Lage versetzt wird, gegnerische Personenziele durch schnelle und präzise Angriffe zu bekämpfen. Das PGS ist ein halbautomatisches, mehrschüssiges Waffensystem mit flacher Flugbahn und hoher Feuergeschwindigkeit, das im Vergleich zum bisherigen 40-mm-Granatwerfer vom Typ M320 GL eine höhere Wirkung und Präzision aufweist.

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Diese Folie zeigt, wie das PGS die Wirkung der Truppe, die mit dem M320 ausgerüstet sind, verbessern soll. (Foto: Eric Graves)

Die PGS hat am 31. August das Commanding General Assessment Board abgeschlossen und ist damit für die Entwicklung von Spezifikationen freigegeben, die voraussichtlich im Jahr 2024 veröffentlicht werden. Es wird als komplettes System einschließlich Munition, Abschussvorrichtung und Feuerleitung evaluiert werden. Die Anforderung wird nicht kaliberspezifisch sein, sondern sich vielmehr auf die Wirkung im Ziel konzentrieren.

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Das US-Heer arbeitet zudem an der Einführung einer sogenannten Individual Assault Munition (IAM), mit der befestigte Stellungen und gepanzerte Fahrzeuge bekämpft werden sollen. Die Folie zeigt, wie PGS und IAM in der Truppe zum Einsatz kommen sollen. (Foto: Eric Graves)

Mittleres Maschinengewehr

Nachdem die U.S. Army den Weg für die Einführung der neuen Gruppenbewaffnung samt Munition freigemacht hat, prüft sie nun, wie sie die Feuerkraft der Infanteriezüge verbessern kann. Dazu wird eine als Platoon Arms and Ammunition Configuration Study (PAAC) bezeichnete Studie zur zukünftigen Zugbewaffnung durchgeführt, die den Entscheidungsträgern Aufschluss darüber geben soll, wie am besten mit einer neuen Fähigkeit für ein mittleres Maschinengewehr (MMG) verfahren werden soll. Die Studie untersucht die gesamte Bandbreite möglicher Kombinationen von Feuerleitgeräten, Waffen und Munition, die sowohl in einer abgesessenen als auch in einer auf einer Plattform montierten Konfiguration eingesetzt werden können. Die PAAC-Studie soll bis zum 4. Quartal 2023 veröffentlicht werden, eine Entscheidung über das MMG ist für 2024 vorgesehen.

Obgleich es für das Heer noch in weiter Ferne liegt, entwickelt das US-Spezialkräftekommando (USSOCOM) derzeit ein Lightweight Medium Machine Gun Program im Kaliber .338 Norma Mag, welches ebenfalls vom U.S. Marine Corps beobachtet wird. Das Heer hält sich mit einer Entscheidung zurück, bis die PAAC-Studie abgeschlossen ist. Zu den Optionen gehören ein neues Kaliber und eine neue Waffe oder vielleicht auch nur eine neue Waffe im Kaliber 7,62 mm x 51 oder 6,8 Common Case, wie sie in der Next Generation Squad Weapon Waffenfamilie Verwendung findet.

Mörser-System auf Bataillonsebene

Ein weiteres neues System, über das informiert wurde, ist der verbesserte 81-mm-Mörser, der zukünftig in den Brigade Combat Teams der 11., 82. und 101. Luftlandedivisionen eingesetzt wird. Das als E81C bezeichnete 81-mm-Mörsersystem soll die auf Bataillonsebene eingesetzten 120-mm-Mörser eins zu eins ersetzen und den US-Fallschirmjägern eine höhere Mobilität sowie höhere Wirkleistung bieten. Ziel der Maßnahme ist es, den im Fallschirmsprung eingesetzten Verbänden bereits unmittelbar nach der Luftlandung leistungsfähige Feuerunterstützungsmittel bereitzustellen, die mit 120-mm-Mörsern üblicherweise erst vier Stunden nach Anlandung der ersten Kräfte bereitstanden.

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Das als E81C bezeichnete 81-mm-Mörsersystem soll die auf Bataillonsebene eingesetzten 120-mm-Mörser eins zu eins ersetzen und den US-Fallschirmjägern eine höhere Mobilität sowie höhere Wirkleistung bieten. (Foto: Eric Graves)

Die 81-mm-Mörser sollen sowohl abgesessen als auch montiert auf Luftlandefahrzeugen des Typs Infantry Squad Vehicle eingesetzt werden können.

Eric Graves

Der Beitrag ist erstmalig in englischer Sprache auf Soldier Systems Daily erschienen.