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Caracal wird Luftlandeplattform

Waldemar Geiger

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Nachdem Soldat & Technik bereits am 26. Mai darüber berichtet hat, bestätigt nun das niederländische Verteidigungsministerium offiziell, dass die Luftlandeplattform auf Basis des Caracal realisiert werden soll. Am heutigen Donnerstag informierte der niederländische Rüstungsstaatssekretär Christophe van der Maat das niederländische Parlament, dass die Niederlande 504 und Deutschland über 1.000 dieser Fahrzeuge vom deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall beschaffen wollen.

Mit der Luftlandeplattform plant die Bundeswehr in Kooperation mit den niederländischen Streitkräften, den derzeitigen Fahrzeugfuhrpark der Division Schnelle Kräfte sowie der 11. Luchtmobilen Brigade zu modernisieren. Es ist geplant, dabei den Fahrzeugpark der beiden Luftlandetruppen zu vereinheitlichen.

„Die neuen Fahrzeuge sind für Deutschland und die Niederlande technisch identisch. Sie können mit verschiedenen Waffen ausgerüstet werden, zum Beispiel mit einem schweren Maschinengewehr und dem Panzerabwehrsystem SPIKE. Außerdem können sie mit einem ballistischen Schutz ausgerüstet werden, der modular am Fahrzeug angebracht werden kann“, schreibt das niederländische Verteidigungsministerium. Die ersten Fahrzeuge sollen ab 2024 für die Erprobung bereitstehen.

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Rheinmetall hat sich im Team mit ACS Armoured Car Systems und Mercedes-Benz mit dem Caracal gegen das Angebot von Krauss Maffei-Wegmann und Defenture, welche mit GRF-Plattform angetreten waren, im Wettbewerb durchgesetzt. Der Mitteilung der Niederländer zufolge waren die Faktoren bezüglich technischer Anforderungen, Lieferzeit und Preis ausschlaggebend für die Auswahl. „Auf dieser Grundlage entschieden sich Deutschland und die Niederlande gemeinsam und einstimmig für den Lieferanten Rheinmetall Land Systems (RLS)“, heißt es in der Veröffentlichung auf der Webseite des niederländischen Verteidigungsministeriums.

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Die 504 niederländischen Luftlandeplattformen werden demnach 302,5 Millionen Euro kosten. Ab 2025 sollen pro Jahr 100 Fahrzeuge zulaufen.

Die Befassung der 25-Mio-Vorlage für den deutschen Anteil des Vorhabens steht ebenfalls noch aus, den S&T vorliegenden Informationen nach soll darüber am 5. Juli beraten werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand der S&T haben jedoch weder die Mitglieder des Haushaltsausschusses noch des Verteidigungsausschusses die entsprechende Vorlage zugeleitet bekommen. Es wird erwartet, dass der jährliche Zulauf der Fahrzeuge für die Bundeswehr 200 Stück betragen wird.

Caracal

ACS Armoured Car Systems, Mercedes-Benz und Rheinmetall sind mit dem Caracal ins Rennen um die Luftlandeplattform gegangen. Ein Demonstrator des Fahrzeuges, dessen Serienfertigung noch 2023 beginnen soll, wurde Mitte Juni 2022 erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris vorgestellt.

Die Luftlande-Fahrzeugfamilie Caracal basiert auf dem neuen G-Klasse-Fahrgestell der Baureihe 464. Der Caracal ist mit einem Sechszylinder-183-kW-Dieselmotor (249 PS) Euro 3 ausgestattet, welcher das Fahrzeug auf bis zu 140 km/h beschleunigen kann und ein Drehmoment von 600 Nm entwickelt. Mit 4,35 m Länge, 1,81 m Breite und 1,85 m Höhe zählt das Fahrzeug zu den kompaktesten Plattformen seiner Klasse. In Verbindung mit dem 4×4-Allradantrieb verfügt der „Wüstenluchs“ über eine hohe Geländegängigkeit, die es dem Fahrzeug erlaubt, Steigungen von bis zu 60 Prozent zu erklimmen. Die Kletterfähigkeit beträgt 33 Zentimeter, die Grabenüberschreitfähigkeit 50 Zentimeter.

Der Grundschutz des Caracal kann Unternehmensangaben zufolge modular auf Level 1 nach STANAG 4569 (ballistischer Schutz und Minenschutz) angehoben werden. Dazu werden modulare Schutzelemente in den Türen und unter dem Fahrzeugboden eingerüstet.

In der in Paris ausgestellten Variante mit kurzem Radstand (4,35 m Länge) ist der Caracal kompakt genug, dass zwei von den Fahrzeugen in den Innenraum einer CH-53K King Stallion oder einer CH-47F Chinook passen. Nach Aussagen eines Rheinmetall-Vertreters sind jedoch auch Varianten mit einem längeren Radstand geplant, auf deren Basis beispielsweise Rüstsätze für den Material- und Personentransport realisiert werden sollen. Die gezeigte Version (offener 4-Sitzer) hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,9 Tonnen (4,4 für Lufttransport), die Nutzlast wird mit 1,5 Tonnen angegeben. Dem Vernehmen nach wird die finale Logistikvariante des Caracal auf einer dreiachsigen Plattform realisiert. 6×6 Varianten des G-Klasse-Fahrgestells (ältere Baureihen) wurden in Vergangenheit bisher durch die schwedischen und australischen Streitkräfte beschafft.

Die Aufgabenverteilung der drei Unternehmen sieht vor, dass Mercedes-Benz die Fahrgestelle in Graz (Österreich) fertigt und ACS aus Augsburg heraus das Chassis bzw. den Aufbau beisteuert. Rheinmetall soll die Rolle des Generalunternehmers übernehmen und die Fahrzeuge nach der Endmontage in den geforderten Varianten ausliefern. Auch die Entwicklung der Rüstsätze, die Qualifizierung der Fahrzeuge und der logistische Support sollen durch Rheinmetall erfolgen. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern bietet auch einen vollen Lebenszyklus-Support von über 20 Jahren an.

Waldemar Geiger