Mit über 1.600 ausstellenden Unternehmen verspricht die DSEI 2025 in London eines der europäischen Highlights des Jahres für die derzeit überaus geschäftige wehrtechnische Industrie zu werden. Hier geht es lange nicht mehr nur um die Präsentation der bestehenden Portfolios, sondern zu großen Teilen auch um das Ausloten des technisch Machbaren und das Zeigen der Innovationskraft des eigenen Unternehmens.

Technisch sinnvolle und auch im Kundensinne realisierbare Lösungen beziehen sich bei teurem Großgerät oft auf das Neudenken eingefahrener Strukturen, um Bewährtes in Zeiten knapper Ressourcen auch in Zukunft weiter nutzen zu können. So präsentiert der Panzerspezialist Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) erstmals seine Vision eines Upgrades des Leopard 1, der in verschiedenen Versionen und Varianten noch von mehreren Streitkräften weltweit genutzt wird.
FFG will Leopard-1-Fahrgestelle weiternutzen
Dem aufgrund seiner Zuverlässigkeit geschätzten Kampffahrzeug spendierte der Panzerbauer eine Verjüngungskur aus einem stärkeren, leichteren und effizienteren Antrieb und stattete ihn mit einem fernbedienbaren Turm inklusive 30-mm-Hauptwaffe zur Luftverteidigung aus, die auch programmierbare Airburst-Munition verschießen und auf Kundenwunsch mit verschiedenen Lenkflugkörpersystemen zur Panzerabwehr ergänzt werden kann. Zudem verfügt das neue Abwehrsystem des auf den Namen „Condor“ getauften Fahrzeugs über moderne Fähigkeiten zur Drohnenabwehr und zur Schussdetektion sowie über ein 360-Grad-Radar für ein umfassendes Lagebewusstsein.
Der Condor adressiert die Nutzerstaaten des Leopard 1 und stellt eine Lösung dar, um auch ältere Panzerfahrzeuge noch lange effektiv nutzen zu können. Der Hersteller hat bei der Entwicklung darauf geachtet, dass insbesondere der neue Antrieb in alle Versionen des Leo-1-Fahrgestells problemlos integriert werden kann. Die Umrüstung auf das moderne Aggregat soll zudem zu Konditionen erfolgen können, die den Preis einer Generalüberholung des alten Motors möglichst nicht übersteigen. Das Unternehmen hofft, der Leo-1-Nutzergemeinde so die Entscheidung für einen Umstieg zu erleichtern. Abgesehen von dem auf der DSEI erstmals vorgestellten Condor sind viele andere modernisierte Varianten auf dieser Basis denkbar.
Auch zu sehen: Panzermörser G5 und Wisent 2
Der ACSV G5, eine der Eigenentwicklungen des norddeutschen Unternehmens, wird in London erstmalig in der Version „Panzermörser“ gezeigt. Diese neue Variante des mehrrollenfähigen, gepanzerten Unterstützungsfahrzeugs integriert ein 120-mm-Autolader-Mörsersystem samt Feuerleitanlage und Subsysteme, die effektiv zur Feuerunterstützung der Infanterie eingesetzt werden können. Dabei ist das Mörsermodul das neuste von mehreren Missionsmodulen für den ACSV G5.

Als drittes großes Exponat präsentiert die FFG auf der DSEI das gepanzerte multifunktionale Fahrzeug Wisent 2 – ebenfalls eine Eigenentwicklung, die bereits bei mehreren Streitkräften international in der Nutzung ist. Es handelt sich hierbei um eine Unterstützungsplattform auf Leopard-2-Basis, die wahlweise als Pionier-, Berge- oder Minenräumpanzer konfiguriert und in weniger als fünf Stunden umgerüstet werden kann, um die jeweils andere Rolle einzunehmen.
Dazu bietet das System die vollintegrierte Ausrüstung mit Knickarmbagger oder Krananlage, maßgeschneidertem Räumschild oder Minenpflug und jeweils mit 40-Tonnen-Hauptwinde. Gegenwärtig bleibt dieses marktverfügbare Fahrzeugsystem bei anstehenden Beschaffungsvorhaben des öffentlichen Auftraggebers in Deutschland unberücksichtigt. Es besteht jedoch laut FFG weiterhin die Hoffnung, dass sich diese Betrachtung noch ändern wird.
Redaktion/sab




