Derzeit sucht die Deutsche Marine ein Mehrzweck-Kampfboot für die amphibische Kriegführung des Seebataillons. Nachdem ein erstes 2023 gestartetes Beschaffungsvorhaben abgebrochen wurde, hofft man nun auf einen Vertragsabschluss noch in diesem Jahr (Soldat & Technik berichtete). Im Wettbewerb steht unter anderem das Watercat M18 des finnischen Herstellers Marine Alutech. Kürzlich sprach Niko Haro, CEO des Unternehmens, mit Curtis Hand darüber, wie Europa seine Streitkräfte innerhalb der NATO zunehmend über gemeinsame Standards hinaus zu interoperablen Plattformen zusammenführt. Die Vorteile in taktischer, politischer, logistischer, industrieller und finanzieller Hinsicht liegen auf der Hand.
Weniger eindeutig ist dagegen, wie sich bestimmte Aspekte der Zusammenarbeit und die Einführung gemeinsamer Designs konkret ausgestalten lassen. Haro erläutert, wie dieser Ansatz neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet und sowohl seinem Unternehmen als auch anderen Beteiligten an gemeinsamen Designprogrammen zugutekommt. Solche Programme vereinfachten die Beschaffung, stärkten die Interoperabilität, verkürzten Reaktionszeiten bei Wartung und Instandhaltung und ermöglichten es den teilnehmenden Staaten, die Plattformen im eigenen Land zu produzieren – ein Gewinn auch für die jeweilige nationale Wirtschaft.

Wie bewerten Sie die Bestrebungen der NATO in Europa hin zu einer gemeinsamen Designplattform für maritimes Verteidigungsmaterial?
Marine Alutech hat hier bereits den ersten Schritt gemacht und gemeinsam mit den Verteidigungsministerien Litauens und Lettlands den Vertrag für das Beschaffungsprogramm Common Future Multipurpose Attack Craft, kurz CFMAC, unterzeichnet. Ziel ist es, auf Basis unseres Watercat M18 Kampfboote zu entwickeln und zu liefern, die auf einer gemeinsamen Designplattform beruhen und auch anderen NATO-Mitgliedern offenstehen. Das Interesse an diesem Programm wächst spürbar.
Wie fügt sich der CFMAC-Ansatz in die bisherigen Geschäftspraktiken von Marine Alutech ein?
Diese Plattform wird derzeit erfolgreich in verschiedenen europäischen NATO-Marinen eingesetzt. Sie passt hervorragend zu unseren Geschäftspraktiken. Wir optimieren unsere Produktion und wachsen gleichzeitig. Auch wenn es sich um dieselbe Plattform handelt, auf der wir aufbauen, erhalten unsere Kunden maßgeschneiderte Lösungen. Wir können nun von NATO-erprobten Lösungen sprechen. Es ist eine Win-win-Situation.
Warum passt Marine Alutech gut zu den gemeinsamen Designkriterien für Kampf- beziehungsweise Schnellangriffsboote?
Mit mittlerweile über 40 Jahren Erfahrung in der Konstruktion und dem Bau von Schiffen sowie unseren Kunden aus der Marine und unseren treuen Lieferanten verfügen wir über hochgeschätztes Wissen, um maßgeschneiderte Schnellangriffs- und Kampfboote herzustellen und gemeinsam die Plattform für die unterschiedlichen Aufgaben unserer Kunden zu entwickeln. Durch kurze Kommunikationswege können wir auch direkt auf sich ändernde Integrationsanforderungen reagieren. Dies gilt auch, wenn wir über unbemannte Lösungen für Neubauten oder in Betrieb befindliche Schiffe sprechen.
In welchen europäischen NATO-Marinen sind die Watercat-Boote von Marine Alutech neben Finnland bereits vertreten?
Unsere Schiffe sind heute schon in den Marinen Norwegens, Schwedens, Dänemarks und Griechenlands im Einsatz. Litauen und Lettland werden im Rahmen des CFMAC-Programms die nächsten Nutzer sein. Darüber hinaus führen wir derzeit Gespräche mit sechs weiteren NATO-Staaten über mögliche neue Lieferungen.
Die Fragen stellte Curtis Hand.





