Print Friendly, PDF & Email

Die niederländischen Streitkräfte erhalten weitere Handfunkgeräte und Nachtsichtausrüstung. Dazu hat die niederländische Beschaffungsbehörde Defensie Materieel Organisatie (DMO) nach eigenen Angaben am Dienstag dieser Woche einen Dreijahresvertrag für Funktechnik im Volumen von rund 45 Mio EUR mit der israelischen Firma Elbit als Lieferanten geschlossen. Im Rahmen des Kontraktes sollen die niederländischen Soldaten neue für die Sprach- und Datenübertragung geeignete PNR-1000-Handfunkgeräte erhalten. Diese auch als Software Defined Radios bezeichneten C4I-Geräte für den  UHF-Frequenzbereich werden für das Soldatensystem VOSS (Verbeterd Operationeel Soldaat Systeem) genutzt.

Nach Angaben von Elbit beinhaltet der Vertrag auch die Fahrzeugintegration von Funkgeräten. Laut DMO besteht das Fahrzeugmodul aus demselben digitalen PNR-1000-Funkgerät, das an die Fahrzeugsprechanlage angeschlossen ist. Dies ermögliche eine Sprach- und Datenverbindung zwischen abgesessenen Benutzern und ihrem Fahrzeug. Der Fahrzeugfunk sei über ein Gateway mit dem Battle Management System (BMS) für Daten verbunden, so dass Informationen mit dem BMS anderer Einheiten ausgetauscht werden können.

blank
Die PNR-1000-Soldatenfunkgeräte werden bereits in den Niederlanden und in Deutschland im Rahmen der Programme VOSS und IDZ-ES für VJTF 2023 genutzt. (Foto: Elbit Systems)

Bei Benutzung durch bestimmte Funktionsträger kann das Funkgerät mit einem kompakten und robusten Tablet, dem Raptor, verbunden werden, auf dem eine BMS-Anwendung läuft, schreibt die DMO.

Den weiteren Angaben zufolge verfügt das PNR-1000 eine integrierten Blue-Force-Tracking-Fähigkeit. Dabei sendet das Funkgerät periodisch seine Position, so dass alle Nutzer innerhalb des Zuges für den Kommandanten sichtbar sind. Damit soll unter anderem eine Verbesserung des Situationsbewusstseins ermöglicht werden. Die „Ohrhörer“ mit drahtloser Sprechtaste ermögliche den Zugriff auf das Funkgerät zum Sprechen, biete aber gleichzeitig einen Gehörschutz.

Darüber hinaus wurde Elbit nach eigenen Angaben auch mit der Lieferung von Nachtsichtbrillen für die niederländischen Streitkräfte im Wert von rund 25 Millionen Dollar beauftragt. Die Nachtsichtsysteme des Typs XACT nv32 micro sollen laut DMO für Heer und Marine beschafft werden. Insgesamt umfasse der Auftrag 4.300 neuen Restlichtverstärker-Brillen und mehr als 3.500 Ausrüstungssätze. Die XACT nv32 kann am Gefechtshelm sowohl als monokulare als auch als binokulare Brille genutzt werden, hieß es weiter.

Darüber hinaus wurde Elbit nach eigenen Angaben auch mit der Lieferung von Nachtsichtbrillen für die niederländischen Streitkräfte im Wert von rund 25 Millionen Dollar beauftragt. (Foto: Elbit Systems)

PNR-1000 Nutzung in Deutschland und den Niederlanden

Die PNR-1000-Soldatenfunkgeräte werden bereits in den Niederlanden und in Deutschland im Rahmen der Programme VOSS und IDZ-ES für VJTF 2023 genutzt.  Bei den in dieser Woche bei Elbit beauftragten Funkgeräten handelt es sich bereits um das zweite Los für die niederländischen Streitkräfte. Das erste Los war Ende 2019 bestellt worden. Insgesamt werden die Niederlande mehr als 7.000 PNR-1000 – für die individuelle Nutzung und die Fahrzeugintegration – erhalten.

Deutschland hat für das System Panzergrenadier Mitte 2019 einen Auftrag zur Beschaffung von knapp 700 PNR-1000 vergeben.

Das Funkgerät verfügt nach Angaben des Herstellers über Fähigkeiten, die den schnellen und sicheren Aufbau von „Sensor-to-Shooter“-Wirkungsketten erlauben. Außerdem werde die genaue Positionsbestimmung der eigenen Kräfte in Echtzeit ermöglicht.

Das PNR-1000 stellt laut Elbit die parallele Übertragung von Sprache und Daten über mobile Ad-hoc-Netze (MANets) sicher. Dies bedeutet, dass es keine direkte Verbindung vom Sender über den Funkmast zum Empfänger geben muss. Vielmehr fungiert jeder Teilnehmer des Funkkreises gleichzeitig als Sender und Empfänger von Daten. Durch die MANet-Technologie lassen sich – geeignetes Gelände vorausgesetzt –   große Strecken überbrücken, ohne dass besondere Infrastruktur erforderlich ist. Wald, Berge oder schlechte Witterung schränken diese Form der Funkübertragung jedoch ein.

Gegenwärtig hat die Bundeswehr die Beschaffung von 15.000 Soldatenfunkgeräten im UHF-Frequenzbereich im Rahmen der Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) ausgeschrieben. Beobachter rechnen damit, dass auch Elbit Systems Deutschland daran Interesse zeigen dürfte, zumal die eigenen Geräte – wie beschrieben – bereits von der Bundeswehr genutzt werden. Dies trägt in der Regel zur Risikominderung für den Kunden bei. Als weitere Pluspunkte  sollen die Funkgeräte über eine offene Schnittstellenarchitektur verfügen, nicht der US-Exportkontrolle gemäß ITAR unterliegen und Elbit dem Endkunden umfangreiche Nutzungsrechte einräumen.

Lars Hoffmann