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Die Bundeswehr hat die als „Gefechtshelm Zwischenlösung“ bzw. „Gefechtshelm Spezialkräfte schwer“ beschafften Helme des Typs Batlskin Viper des US-Herstellers Galvion für den automatischen und manuellen Fallschirmsprung qualifiziert, wie Soldat & Technik aus gut unterrichteten Kreisen der Bundeswehr erfahren hat. Der Schritt war dringend geboten, da Verfügbarkeitsengpässe beim „Gefechtshelm springende Truppenteile“ die Fähigkeit der Bundeswehr zum Fallschirmsprungeinsatz gefährden, S&T berichtete.

Der Engpass war aufgetreten, nachdem der Hersteller des Helm-Verschlusssystems die Produktion dieser Teile ohne Vorankündigung eingestellt hatte. Diese werden jedoch im Rahmen der periodischen Instandsetzungsmaßnahmen benötigt. Noch Mitte des Jahres hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP, dass an Alternativen gearbeitet werde, die im Erfolgsfall im vierten Quartal dieses Jahres verfügbar sein könnten. „Mittlerweile wurden Prototypen des Riemensystems mit einem Verschlusselement eines weiteren Herstellers angefertigt, das in seinen Eigenschaften (Werkstoff, Verstärkung der Haltekraft bei Zug, Bedienung) dem originären Verschluss sehr nahekommt“, schrieb die Bundesregierung damals.

Nach S&T Informationen konnte dieser Lösungsweg nicht wie geplant erfolgreich beendet werden. Es wurde zwar ein Instandsetzungsauftrag an einen Helmhersteller vergeben (die Helme müssen alle vier Jahre turnusmäßig instandgesetzt werden), dieser Hersteller soll aber nicht selbst über die Fähigkeit verfügen, Ersatzverschlüsse herzustellen. Derzeit wird offenbar daran gearbeitet, das Problem über einen Zulieferer lösen zu können. Das Heer wollte sich dem Vernehmen nach nicht auf eine weitere Hängepartie einlassen und hat in der Zwischenzeit durchgesetzt, dass der Gefechtshelm Zwischenlösung für den automatischen und manuellen Fallschirmsprung qualifiziert wurde.

Der Gefechtshelm springende Truppenteile war bis dato der einzige Helm der Bundeswehr, der für den Fallschirmsprung mit automatischer Auslösung zertifiziert war, daher gehört er zum Ausstattungssoll der Luftlandetruppe sowie der Spezialkräfte der Bundeswehr. Dieser so genannte Springerhelm wird sowohl für die Inübhaltung der aktiven Springer, als auch für die Ausbildung neuer Soldaten zum Fallschirmspringer benötigt. Auch im Falle eines Einsatzes der Luftlandetruppe – beispielsweise im Rahmen der nationalen Krisenvorsorge – können die Soldaten nur mit diesem Helm mittels Fallschirmsprung in den Einsatz verbracht werden.

Gefechtshelm Zwischenlösung

Die Bundeswehr hat über Rheinmetall Ende 2019 rund 5.000 dieser Helme für die Kräfte der Nationalen Risiko- und Krisenmanagementvorsorge bestellt, S&T berichtete. Diese sind mittlerweile ausgeliefert. Die Rahmenvereinbarung sieht die Lieferung von Gefechtshelmen Zwischenlösung im Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2025 vor. Die Vereinbarung sieht eine zweimalige Möglichkeit zur Verlängerung um ein Jahr und die Aufbereitung dieser Helme bis zum Ablauf der Nutzungsdauer vor. Darüber hinaus ist in diesem Rahmenvertrag eine zusätzliche 15.000 Helme umfassende Lieferoption enthalten.

Die Verwendung der Helme ist unter anderem für folgende Truppenteile im Heer vorgesehen:

  • Spezialisierte Kräfte mit Erweiterter Grundbefähigung
  • Joint Fire Support Teams der Artillerie und der Infanterie
  • Mörserzüge der Infanterie
  • Besatzungen der TOW-Wiesel der Infanterie

Auch auf ausgewählten Dienstposten sitzende Soldatinnen und Soldaten anderer Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche werden mit diesem Helmtyp ausgestattet.

Darüber hinaus wurde mittlerweile auch die Option gezogen 10.000 zusätzliche Helme dieses Typs zu beschaffen. Die Auslieferung soll demnach Ende 2021 beginnen und bis Sommer 2022 andauern. Damit werden die Kampf- und die Kampfunterstützungskräfte der VJTF 2023 ausgestattet. Bei Bedarf würde der Rahmenvertrag den Abruf 5.000 weiterer Helme gestatten.

Waldemar Geiger