Während die südkoreanische Hanwha auf der diesjährigen Ausstellung der Association of the U.S. Army (AUSA) in Washington ihre Haubitze K9A2 auf 8×8-Radfahrgestell präsentiert (Soldat & Technik berichtete), nimmt auch die europäische Konkurrenz den amerikanischen Markt für Artilleriesysteme ins Visier. So zeigt KNDS Deutschland seine Panzerhaubitze RCS 155 auf Tracked Boxer. Auf dem Originalboxer mit Radfahrwerk wird das System bereits für die Mittleren Kräfte der Bundeswehr beschafft und ist auch für die britische Armee im Rennen.
Der mit Eigenmitteln entwickelte und 2022 vorgestellte Ketten-Boxer kann alle Missionsmodule des Originals verwenden, hat aber ein von 41 auf 45 Tonnen gesteigertes Maximalgewicht. Das unbemannte Artilleriemodul der RCH 155 ist nach Herstellerangaben bislang das einzige mobile Haubitzensystem, das aus der Fahrt feuern kann, was die Überlebensfähigkeit wesentlich erhöht. Der Turm ist auch auf dem Fahrgestell Piranha 10×10 sowie ASCOD demonstriert worden. Zur Bedienung werden lediglich zwei Mann im Fahrmodul benötigt.
KNDS France kooperiert mit Leonardo
Zugleich hat KNDS France mit dem amerikanischen Zweig der italienischen Leonardo eine Vereinbarung zur gemeinsamen Vermarktung der französischen Radhaubitze Caesar getroffen. Wie Hanwha mit der K9A2 zielt dies auf den Bedarf der U.S. Army nach einem hochmobilen Artilleriesystem großer Reichweite. Leonardo DRS, das auf dem US-Rüstungsmarkt vor allem elektronische Systeme vertreibt und unter anderem ein neues Feuerleitsystem für die Panzerhaubitze M107A7 Paladin entwickelt, wäre hier der einheimische Partner.
Beide Unternehmen verweisen vor allem auf die Leistung von Caesar im Ukrainekrieg, wo in den letzten drei Jahren insgesamt 120 Exemplare zum Einsatz gekommen seien. Der Typ nahm bereits 2021 an einem Vergleichsschießen mit dem schwedischen Archer von BAE Systems Bofors, dem israelischen ATMOS 2000 von Elbit, dem serbischen Nora B-52 von Yugoimport-SDPR und dem amerikanischen System Brutus von AM General und der Mandus Group teil. Nach mehreren gescheiterten Projekten ist aber immer noch nicht ganz klar, wie ein oder mehrere künftige Artilleriesysteme für die U.S. Army aussehen sollen.
Stefan Axel Boes






