StartS&T+Entwicklungen bei der Marineinfanterie weltweit

Entwicklungen bei der Marineinfanterie weltweit

Stefan Axel Boes

Am 10. November 2025 feierte das U.S. Marine Corps (USMC) seinen 250. Geburtstag. Obwohl die Aufstellung der ersten beiden Bataillone der Continental Marines während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges sogar der Gründung der Vereinigten Staaten voranging, ist es damit allerdings bei weitem nicht die älteste Marineinfanterie der Welt. Und doch ist es wohl, was die meisten vor Augen haben, wenn von Marines die Rede ist.

Das liegt einerseits sicher daran, dass die „Ledernacken“ ihr Image der Elitetruppe – „The Few, The Proud, The Marines“ – schon immer gut zu verkaufen wussten. Ikonische Bilder wie das Hissen der amerikanischen Flagge auf dem Suribachi nach der verlustreichen Eroberung der Insel Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg machten sie auch international berühmt. Vor allem aber war seither keine Marineinfanterie weltweit so präsent, von den Embassy Detachments zum Schutz der US-Botschaften bis zu den stets mindestens zu zweit auf See befindlichen Marine Expeditionary Units (MEU).

Als kombinierte See-Land-Luftkampfverbände bilden die MEUs zusammen mit den Expeditionary Strike Groups (ESG) der U.S. Navy jederzeit einsatzbereite vorgeschobene Schnellreaktionskräfte, die ohne Nachversorgung bis zu 15-tägige Operationen durchführen können. Die ESGs bestehen aus jeweils einem amphibischen Hubschrauber-Landungsschiff (Wasp-Klasse Landing Helicopter Dock, LHD, oder America-Klasse Landing Helicopter Assault, LHA) und zwei Docklandungsschiffen (Harpers-Ferry- oder Whidbey-Island-Klasse Landing Ship Dock, LSD, und San-Antonio-Klasse Landing Platform Dock, LPD) sowie Geleit- und Versorgungseinheiten.

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Die damit eingeschifften MEUs umfassen ein mit Panzerfahrzeugen, Artillerie, Pionier- und Aufklärungskräften verstärktes Marineinfanteriebataillon, ein Luftkampfelement mit Kampf- und Transporthubschraubern beziehungsweise -Senkrechtstartern sowie ein Führungs- und ein Logistikelement. Dabei nimmt das LHD/LHA mit seinem durchgehenden Flugdeck im Schwerpunkt das Luftkampfelement mit einer Staffel Kipprotorflugzeuge MV-22 Osprey auf, verstärkt mit leichten und schweren Transporthubschraubern vom Typ UH-1Y und CH-53E, Kampfhubschraubern AH-1Y und senkrechtstartfähigen Kampfflugzeugen AV-8B oder F-35B.

Das LPD transportiert den Kern der Infanteriekräfte, während das LSD vor allem schwere Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge befördert. Künftig sollen die Flight-II-Einheiten der San-Antonio-Klasse auch letztere Rolle übernehmen und die LSDs ablösen. Im Ganzen umfasst eine MEU rund 1.100 Bodentruppen, 600 Mann im Luftkampf-, 300 im Logistik- und 200 im Führungselement für eine Gesamtstärke von 2.200 Mann. Kommt eine Maritime Special Purpose Force (MSPF) von 350 Mann Spezial- und Aufklärungskräften hinzu, die teilweise von der USMC Force Reconnaissance gestellt werden, lautet die Bezeichnung MEU (SOC) mit dem Zusatz „Special Operations Capable“.

Insgesamt gibt es sieben MEUs, von denen innerhalb eines 15-Monats-Zeitraums stets mindestens eine von der US-Westküste für sechs Monate im Pazifik auf See ist, eine von der Ostküste üblicherweise im Mittelmeer. Unter wechselnden Bezeichnungen sind sie seit Jahrzehnten das Mittel der Wahl für die amerikanische Politik, wenn es um Interventionen in Küstengebieten, Evakuierungsoperationen etc. geht.

Kontroverse Reform des USMC

Seit 2020 durchläuft das Corps allerdings eine kontroverse Reform namens Force Design 2030, die vom damaligen USMC-Kommandanten General David H. Berger angestoßen wurde. Sie sah eine Rückwendung zum Hauptauftrag amphibischer Operationen gegen gleichwertige Gegner unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts als Alleinstellungsmerkmal gegenüber der U.S. Army vor. Dazu gehörte die Betonung leichter, schnell verlegbarer Kräfte, moderner Waffensysteme und der Zusammenarbeit mit der U.S. Navy.