StartEnforce TacBeretta bereitet sich auf britisches Sturmgewehr-Projekt vor

Beretta bereitet sich auf britisches Sturmgewehr-Projekt vor

Im Januar teilte das britische Verteidigungsministerium offiziell die Anforderungen für Project Grayburn für die Nachfolge des Sturmgewehrs SA80 mit. Zu den Bewerbern gehört auch Beretta Defence Technologies (BDT), der Verbund von Holding-Gesellschaften unter dem Dach des italienischen Waffenherstellers, mit gleich zwei Vorschlägen: die New Assault Rifle Platform (NARP) und das von der mittlerweile ebenfalls zu Beretta gehörenden finnischen Sako entwickelte ARG-40. Mögliche Mitbewerber sind Heckler & Koch, SIG Sauer, die tschechische CZ oder die belgische FN.

Auf der Sicherheits- und Verteidigungsmesse Enforce Tac 2026 in Nürnberg sprach BDT-Vertreter Jack Cadman dazu mit Soldat & Technik. „Project Grayburn ist jetzt in einer kritischen Phase, nachdem es zuvor viele Gerüchte und inoffizielle Nachrichtern gab“, sagte er. „Nach der offiziellen Mitteilung muss sich das Ministry of Defence jetzt dazu positionieren, wer der darin erwähnte strategische Lieferant sein soll. Was wir von Anfang an versucht haben ist, immer mit Wahrheit und Glaubwürdigkeit zu führen und sicherzustellen, dass wir unseren Soldaten die bestmögliche Waffe anbieten.“

Keine Fahrradreifen auf den Ferrari ziehen

Eine große Rolle dabei käme der zugehörigen Optik zu, die in der Diskussion bislang nur eine untergeordnete Rolle spiele. „Man kann kein neues Waffensystem mit einer veralteten Optik einführen“, meint Cadwell. „Das ist, als würde man bei einem Ferrari Fahrradreifen aufziehen.“ BDT bietet hier Lösungen des ebenfalls zur Holding gehörenden deutschen Herstellers Steiner an. „Das MoD wird wahrscheinlich mehrere Visieroptionen für verschiedene Waffen benötigen wird. Steiner kann das absolut leisten. Nur wenige bieten diese Auswahl.“

BDT sieht sich auch nicht durch die Entscheidung von 2023 für das KS-1 von Knights Armament als neues Sturmgewehr für die britische Special Operations Brigade und die Royal Marines benachteiligt. „Bei einem Waffenprogramm dieser Größenordnung müssen die erste und die letzte Waffe exakt dem gleichen Standard entsprechen“, so Cadwell. „Wenn man sich anschaut, wer das leisten kann, gibt es meiner Meinung nach nur sehr wenige in der Industrie, die das für 180.000 Waffen schaffen können. Und ich denke, wir haben das im Grunde bewiesen.“

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Beretta sieht sich für alle Anforderungen gerüstet

Mit dem Angebot von Sako sieht sich BTD gerade für die zunehmende Bedeutung der Verteidigung der NATO-Nordflanke und dem Kampf unter arktischen Bedingungen gerüstet. Die NARP wiederum, die sich bei der letzten Enforce Tac noch in der Entwicklung befand, sei mittlerweile vollständig fertiggestellt und bereits bei einer Reihe von europäischen Nutzern im Einsatz. Auch dies sei nun eine bewährte Waffe, die an Großbritannien geliefert werden könne. Dabei werde ein großer Bestandteil von Project Grayburn die Forderung nach souveränen Fähigkeiten, also der inländischen Produktion sein.

„Wir haben bereits viel im Bereich Export sowie Arbeitskräfte und Ausbildungsplätze geleistet“, sagt Cadwell. „Denn die größte Hürde für die Entwicklung einer Waffe der nächsten Generation in Großbritannien wird der Mangel an qualifizierten Fachkräften sein. Wir arbeiten jetzt daran, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen.“ Glaubt er also, dass Beretta sofort bereit wäre, wenn es den Zuschlag bekäme? Da lautet die Antwort natürlich: „Absolut“.

Stefan Axel Boes