Cargo Mule – Bundeswehr testet Ziesel-UGV in Lehnin

Waldemar Geiger

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Die Bundeswehr hat letzte Woche im Rahmen einer Studie unterschiedliche marktverfügbare Systeme von unbemannten Bodenfahrzeugen in wechselnden Einsatzszenarien auf dem Truppenübungsplatz Lehnin erprobt, S&T berichtete. Nun hat auch die Hentschel System GmbH, mit Diehl Defence gemeinsamer Hersteller eines der an den Tests beteiligten Systeme, Videoimpressionen von der Erprobung des Ziesels veröffentlicht.

In dem Video ist zu sehen, wie die automatische Folgefunktion des Ziesels durch Infanteriekräfte des Wachbataillons in unterschiedlichen taktischen Lagen erprobt wird. Im Einzelnen werden folgende Lagen dargestellt:

  • Selbstständiges Folgen im bewaldeten Gelände,
  • Überwinden von Hindernissen,
  • Folgen bei erschwerten Sichtbedingungen und
  • das Führen eines THeMIS-UGV im „Multi UGV FollowMe-Modus“.

Ein Schwerpunkt der bisher abgeschlossenen Erprobungen bildete das selbstständige Hinterherfahren ohne aktive Steuerung. Dazu mussten die beladenen Unmanned Ground Vehicles unter anderem im bewaldeten Gelände einem Soldaten folgen. Eine wichtige Fähigkeit, denn Infanteristen gehen in der Regel gedeckt und abseits von Straßen und Wegen vor, um nicht aufgeklärt zu werden. Gerade der Wald bietet dazu ideale Bedingungen. Da eine Infanteriegruppe in einem solchen Umfeld allerdings jeden Mann für die Wahrnehmung von Sicherungsaufgaben benötigt, sollte ein zukünftiges Cargo Mule automatisch den vorausgehenden Soldaten folgen können.

Ziesel

Das elektrische Raupenfahrzeug Ziesel wurde vom Tiroler Herstellers Mattro entwickelt und von der Hentschel System GmbH in eine geländegängige, robuste Roboterplattform umgerüstet. In dem Vorhaben Cargo Mule wird der Ziesel in Zusammenarbeit mit Diehl Defence angeboten. Durch die relativ geringen Abmessungen von 148 x 123 cm (LxB) und einem geringen Eigengewicht von ca. 300kg bei einer Zuladung von ebenfalls 300kg eignet sich der Ziesel für eine Vielzahl an Anwendungen.

Das Fahrzeug ist mit austauschbaren 10 KWH Lithium-Ionen-Akkus ausgerüstet und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Für die automatische Folgefunktion muss das Fahrzeug eine direkte optische oder IR-Sichtlinie mit dem vorausgehenden Infanteristen aufbauen – auch bei schlechter Sicht und bei Nacht. Hierfür kommen beim Ziesel passive Sensoren mit bildverarbeitenden Algorithmen zum Einsatz.

Cargo Mule

Die Bundeswehr beabsichtigt, die Infanterie mit unbemannten Bodenfahrzeugen für logistische Einsatzzwecke auszustatten und erprobt dazu im Rahmen einer F&T-Studie unterschiedliche marktverfügbare Systeme in wechselnden Einsatzszenarien.

In der 48. Kalenderwoche führte das Amt für Heeresentwicklung (Abteilung II 2) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (Abteilung U6.2), der Wehrtechnischen Dienststelle 81, dem Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE und der 6. Kompanie des Wachbataillons eine Erprobung zweier marktverfügbarer Systeme auf dem Truppenübungsplatz Lehnin durch. Im Schwerpunkt der derzeitigen Erprobungen steht das selbstständige Folgen von beladenen Unmanned Ground Vehicles im bewaldeten Gelände. Für die aktuellen Tests werden die UGV Ziesel von Hentschel und Diehl Defence sowie THeMIS (Tracked Hybrid Modular Infantry System) von Milrem Robotics genutzt.

Im Herbst 2019 wurden an der Infanterieschule in Hammelburg Tests mit den ferngesteuerten Systemen Mission Master (Rheinmetall), Ziesel (Hentschel und Diehl Defence) sowie Probot V2 (Friedrich Hippe Maschinenfabrik + Gerätebau GmbH und Elbit Sysystems) durchgeführt, um erste praktische Erkenntnisse zu gewinnen. Dem Vernehmen nach fielen diese bei den teilnehmenden Nutzern des Heeres positiv aus. Es wird beabsichtigt, in Zukunft auch andere marktverfügbare Systeme zu testen.

Solche UGV sollen zukünftig als Cargo Mule, auf Deutsch Lastenmuli, in den schweren Zügen der Infanterie eingesetzt werden und beim Transport der schweren abgesessenen Waffen, wie beispielweise Granatmaschinenwaffen (GraMaWa) und MELLS-Panzerabwehrlenkflugkörper, unterstützen. Für eine Vollausstattung wären somit sechs Systeme, je drei GraMaWa und drei MELLS, notwendig.

Waldemar Geiger