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W.L. Gore & Associates (Gore) hat auf der MiliPol 2021 in Paris erstmals einem breiteren europäischen Publikum seine neue GORE-TEX-Stretch-Technologie vorgestellt. Diese erlaubt es erstmals auch im militärischen Bereich Nässeschutzbekleidung mit einer bis dato unerreichten Bewegungsfreiheit herstellen zu können. Die erstmalige Anwendung dieser Technologie wurde bei der jüngst erfolgten Nässeschutzbekleidung für Spezialkräfte der Bundeswehr realisiert. Der österreichische Bekleidungsspezialist Carinthia hat die GORE-TEX Stretch in den Seitenteilen des Anzuges verarbeitet.

Wasserdichte Stretch-Membranen sind im zivilen Bereich schon seit längerem bekannt, konnten sich aber bis dato nicht im militärischen Bereich durchsetzen, weil diese Funktion mittels Einwebung von beispielsweise Elastan in die Oberware erzeugt wurde. Dies machte das Material schwerer und voluminöser. Weitere Nachteile waren im Bereich der Widerstandsfähigkeit festzustellen, da das Material schneller abrieb. Die so erzeugten Laminate waren nach Aussagen von Gore nicht „robust“ genug. GORE-TEX Stretch beseitigt diese Nachteile. Das neue Laminat erlaubt die Kombination aus robustem Hardshell-Material mit atmungsaktiven Stretch-Komponenten, ohne dass irgendwelche Kompromisse oder Leistungseinbußen bezüglich der Wasserdichtigkeit oder Atmungsaktivität eingegangen werden müssen. Dadurch lassen sich Bekleidungssysteme fertigen, die sowohl die thermische Belastung der Nutzer reduzieren und gleichzeitig eine Beweglichkeit bietet, die eher dem Tragegefühl einer herkömmlichen Einsatzbekleidung als dem eines Nässeschutzes entspricht. So lassen sich Überhitzungen einfacher vermeiden. Ein weiterer Vorteil ist ein signifikant geringeres Geräuschniveau. Das liegt daran, dass die neue Membran wellenförmig und nicht glatt ist.

„Im Gegensatz zu herkömmlichen Stretch-Materialien, bei denen die elastischen Komponenten im Oberstoff platziert sind, werden hier die elastischen Komponenten geschützt zwischen einer dehnbaren PTFE-Membran und dem robusten Oberflächenmaterial aus Polyamiden integriert“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. „So entsteht ein Material mit bis zu 20 Prozent Elastizität, das sehr gut geeignet ist für Kleidung mit körpernahen Schnitten. Durch die engere Passform werden wiederum Luftkammern zwischen Körper und Kleidung reduziert und die Atmungsaktivität im Vergleich zu bisheriger militärischer Einsatzkleidung um bis zu 25 Prozent verbessert“, so Gore weiter.

Nach Aussagen von Oliver Opitz, Produkt-Spezialist für Streitkräfte bei Gore, gegenüber Soldat & Technik auf der MiliPol, kann das Unternehmen die Stretch-Eigenschaft des Laminats passgenau einstellen. Seinen Angaben nach hätten jedoch Feldversuche gezeigt, dass bereits zehn Prozent Elastizität die von den Soldaten gewünschte Beweglichkeit erreicht hat. Neben der größeren Beweglichkeit bieten die körpernahen Schnitte den Vorteil, dass die Bekleidung besser unter der Körperschutzausstattung getragen werden kann und die Soldaten weniger Gefahr laufen an Hindernissen etc. hängen zu bleiben. Opitz ist überzeugt davon, dass diese Technologie sich sehr schnell im Bereich der Nässeschutzbekleidung durchsetzen wird. Seinen Aussagen zufolge wurde die Technologie bereits bei mehreren, gerade laufenden Ausschreibungen angeboten.

Waldemar Geiger