StartBewaffnungGeheimnis um den Pilotkunden für Loitering Munition Hero-30 von Rheinmetall gelüftet

Geheimnis um den Pilotkunden für Loitering Munition Hero-30 von Rheinmetall gelüftet

Waldemar Geiger

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Ein europäischer NATO-Staat habe Rheinmetall und seinen Partner UVision mit der Herstellung und Lieferung von Loitering Munition des Typs Hero-30 für seine Spezialkräfte beauftragt. So der grobe Inhalt einer Pressemitteilung von Rheinmetall Anfang September 2022. Weiterhin schrieb das Unternehmen, dass der Auftrag, zu dem neben der Kampfmunition auch Ausbildungsmunition, ein Simulator, Trainingskurse sowie integrierte Logistik- und Serviceleistungen gehören, einen Gesamtwert in einem einstelligen Millionen-Euro-Bereich aufweise. Der Auftrag wurde den Angaben zufolge im Juli 2022 erteilt, die Lieferung soll bis 2023 erfolgen. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben.

Kürzlich hat der „europäische Nato-Kunde“ diese wohl selbst auf der europäischen Vergabeplattform Tenders Electronic Daily (TED) veröffentlich, wie das US-Fachportal Defense News als erstes berichtet hat. Demnach handelt es sich bei dem Kunden um die italienischen Streitkräfte. Einer am 13.12.2022 veröffentlichten TED-Mitteilung des italienischen Verteidigungsministeriums zufolge wurde die italienische Tochter des Rheinmetall- Konzerns, RWM Italia SpA, welche für die europäische Vermarktung der Hero Loitering Munition zuständig ist, am 19.07.2022 mit der Herstellung und Lieferung der Hero-30 samt der damit verbundenen technischen und logistischen Unterstützung im Wert von  3,878 Millionen Euro beauftragt. Die Beschaffung erfolgt zur Erfüllung eines einsatzbedingten Sofortbedarfs (Mission Need Urgent Requirement) der italienischen Spezialkräfte (Comparto Forze Speciali), wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Damit herrscht nun Klarheit, dass die italienischen Spezialkräfte Pilotkunde für die von Rheinmetall an die Erfordernisse der NATO und europäischer Kunden modifizierte Hero-30 sind. Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall und der israelische Hersteller der Loitering Munition UVision hatten erst Ende 2021 eine Kooperation geschlossen. Die strategische Partnerschaft der Rheinmetall-Tochter RWM Italia SpA mit UVision hat zum Ziel, den Markt für diese Präzisionsmunition in Europa und der NATO zu erschließen. Dies schließt die Adaption der EU- und NATO-Standards mit ein. Beide Unternehmen wollen die jeweiligen Fähigkeiten bündeln und so präzise und kampferprobte Waffensysteme für den Markt bereitstellen. Die Kooperation sieht vor, dass UVision marktreife und einsatzbewährte Technologien und Produkte einbringt, die dann gemeinsam mit Rheinmetall weiterentwickelt werden sollen. Rheinmetall stellt seine industrielle Basis zur Verfügung und ist neben dem Europavertrieb für Qualifizierungsthemen gemäß europäischen und NATO-Standards zuständig.

Die Hero-30 ist der kleineste Vertreter der Hero-Serie ferngesteuerter Präzisionsmunition, die für unterschiedliche Einsatzzwecke mit kurzen, mittleren und langen Reichweiten und Flugzeiten unter Verwendung verschiedener Gefechtsköpfe entwickelt wurde. Die Hero-30 hat eine Reichweite von etwa zehn Kilometern (maximale Flugstrecke), die Flugzeit beträgt rund 30 Minuten. Das Gesamtgewicht der elektrisch angetriebenen Munition beträgt drei Kilogramm, wobei der Sprengkopf rund 500 Gramm wiegt, was der Sprengkraft einer 40-mm-Granate entspricht. Sie eignet sich besonders zum gezielten Einsatz gegen Weichziele oder ungeschützte Fahrzeuge. Ein Hero-System umfasst den jeweiligen Launcher, die Munition und Bedieneinheit sowie ein Ground-Data-Link-Terminal für die Funkanbindung. Die Systeme bieten den Nutzern kombinierte Fähigkeiten zur Aufklärung, Überwachung, Erkennung (ISR) und zum Angriff. Dies ermöglicht es, zeitkritische Ziele mit niedriger Signatur zu lokalisieren, zu verfolgen und zu bekämpfen.

Waldemar Geiger