Kroatien führt die 2008 ausgesetzte Wehrpflicht wieder ein. Das Parlament des EU- und NATO-Mitgliedslandes stimmte am Freitag der vergangenen Woche mit 84 gegen 11 Abgeordneten bei 30 Enthaltungen dafür, bis zum Ende des Jahres wieder mit der Musterung von 18-jährigen Männern zu beginnen. Betroffen ist damit zunächst der Jahrgang 2007, wehrpflichtig sind jedoch alle Männer bis zum Alter von 30 Jahren.
Nach Angaben des öffentlichen Rundfunksenders HRT wird der Grundwehrdienst vorerst nur zwei Monate dauern. Damit dürfte das Vorhaben, ähnlich wie derzeit in Deutschland mit dem bislang freiwilligen Neuen Wehrdienst geplant, vor allem dem Aufbau eines Reservistenpools für den Krisenfall dienen. Für Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen wird es einen Ersatzdienst geben.
Kroatien schaut neben Russland vor allem auf Serbien
Gegenwärtig umfassen die kroatischen Streitkräfte 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 20.000 Reservisten. Vom aktiven Personal dienen 7.000 im Heer mit einer gepanzerten und einer mechanisierten Brigade, dem Ausbildungskommando und Heerestruppen. Die Luftwaffe mit 1.500 Angehörigen umfasst je eine Jagd-, Ausbildungs- und Drohnenstaffel, drei Hubschrauberstaffeln sowie eine Staffel mit Feuerlösch-Flugzeugen, ein Luftraumüberwachungs-Bataillon und ein Ausbildungszentrum.
Die Marine schließlich hat eine Stärke von 1.363 Mann mit 30 Schiffen und Booten. Dazu gehört die Marineflottille mit einem Oberflächen-Einsatzgeschwader aus Flugkörper-Schnellbooten und landgestützten Flugkörperstartern, ein Minenkampfgeschwader und ein Unterstützungsgeschwader sowie eine Marineinfanteriekompanie. Hinzu kommen die Küstenwache mit zwei Patrouillenboot-Geschwadern, die Marinebasis Split und ein Seeüberwachungs-Bataillon.
Kroatien ist das neueste NATO-Mitglied, das angesichts der verschärften Sicherheitssituation in Europa die Wehrpflicht wieder einführt. Grund dürfte nicht nur der Ukrainekrieg, sondern auch die instabile Lage im Nachbarland Serbien sein, gegen das Kroatien von 1991 bis 1995 seinen Unabhängigkeitskrieg zur Loslösung vom ehemaligen Jugoslawien führte. Serbien wird seit November letzten Jahres von Unruhen gegen das autoritäre Regime von Präsident Aleksandar Vučić erschüttert.
Stefan Axel Boes






