China hat am Freitag der vergangenen Woche die Seeerprobung seines neuesten amphibischen Trägerschiffs Sichuan begonnen. Das bereits am 7. November offiziell in Dienst gestellte und nach einer chinesischen Provinz benannte erste Schiff vom Typ 076 verließ die Hudong-Zhonghua-Werft in Schanghai. Die Dauer der Erprobungsfahrten wurde nicht mitgeteilt. Der Typ 076, von der NATO trotz des Namens seiner ersten Einheit als Yulan-Klasse bezeichnet, ist das bisher größte Schiff in der wachsenden amphibischen Flotte der chinesischen Marine.
Mit einer geschätzten Einsatzverdrängung von 40-50.000 Tonnen bei 250 bis 260 Metern Länge könnte es sogar die aktuelle amerikanische America-Klasse mit 45.000 Tonnen übertreffen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das elektromagnetische Katapultsystem, das sonst nur auf echten Flugzeugträgern zu finden ist. Erst am 5. November hatte China auch seinen neuesten Träger Fujian offiziell in Dienst gestellt, der nach der amerikanischen USS Gerald R. Ford als erster mit einem solchen System ausgestattet wurde. Die Einsatzverdrängung der Fujian wird auf 80-85.000 Tonnen bei 316 Metern Länge geschätzt.
Sichuan verstärkt amphibische Flotte Chinas
Von der kleineren Sichuan wird angenommen, dass das Katapult zum Start schwerer düsengetriebener Kampfdrohnen wie der Guizhou WZ-7 und Hongdu GJ-11 dienen soll. Diese würden demnach eine ähnliche Fähigkeit wie die senkrechtstartfähigen Kampfflugzeuge vom Typ AV-8 Harrier und F-35 Lightning II an Bord amerikanischer Amphibienträger bieten. Passend dazu gibt es auch eine Fangseil-Anlage und einen Flugdeckaufzug mit einer Traglast von 30 Tonnen. Die Aufteilung der Decksaufbauten in zwei getrennte „Inseln“ entspricht dem Layout der britischen Flugzeugträger der Queen-Elizabeth-Klasse.
Die Zahl von Drohnen und Hubschraubern, die Sichuan an Bord nehmen kann, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Das Schiff verfügt zudem über ein flutbares Welldeck zum Aussetzen von zwei Luftkissenfahrzeugen Typ 726 mit einer Zuladung von jeweils über 50 Tonnen oder anderen Landungsfahrzeugen am Heck. Seine Kapazität zur Aufnahme von Landungstruppen wird auf 1.000 Mann geschätzt. Der Antrieb erfolgt über zwei Gasturbinen mit je 21.000 kW und sechs Dieselmaschinen mit je 6.000 kW Leistung.
Insgesamt ist Sichuan damit wesentlich leistungsfähiger als die seit 2021 in Dienst gestellten vier Vorgängerschiffe vom Typ 075, NATO-Bezeichnung Yushen-Klasse. Mit 40.000 Tonnen Einsatzverdrängung bei 232 Metern Länge, einer Kapazität von 800 Mann Landungstruppen und 28 Hubschaubern entsprechen diese etwa den älteren amerikanischen Gegenstücken der Tarawa- und Wasp-Klasse. Hinzu kommen die acht Docklandungsschiffe Typ 071 mit 25.000 Einsatzverdrängung und 210 Metern Länge, in Dienst seit 2007.
Stefan Axel Boes







