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Hard- und Software für urbane Operationen – erste Eindrücke vom Army Warfare Experiment 2023

Jan-Phillipp Weisswange

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Seit sechs Jahren führt die British Army ihre jährliche Übungsreihe „Army Warfare Experiment (AWE)“ durch. Dieses dient dazu, neue Technologien in der Truppenpraxis zu erproben. So sollen Potentiale erkannte werden, um die Schlagkraft auf den Gefechtsfeldern der Zukunft zu erhöhen. In den Jahren 2022 bis 2024 steht bei dem AWE insbesondere die Urbane Kriegführung im Fokus. Einige Eindrücke vom AWE 2023 hat die British Army in den letzten Wochen auf ihren Kanälen verbreitet.

Vier Wochen lang dauerte die Übung heuer. Das AWE 2023 wurde auf dem Truppenübungsplatz Salisbury Plain durchgeführt. Das 2. Bataillion The Royal Yorkshire Regiment, welches als Erprobungsverband der British Army fungiert, testete und bewertete in diesem Rahmen über 40 Systeme von 35 Anbietern aus der Industrie. Verstärkt wurde das Royal Yorkshire Regiment durch Kameraden aus den USA, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien. Ebenso nahmen Beobachter aus Kanada, Australien, Südafrika und der Türkei teil.

AWE 01 Haeuserkampf
Der Kampf im bebauten Gelände stand auch 2023 im besonderen Fokus des AWE (British Army)

Zu den getesteten Produkten gehörten naturgemäß Drohnen. Das Spektrum reichte von der vierten Generation der handtellergroßen Microdrohne Black Hornet zur Aufklärung auch in Gebäuden bis zur Hydra 400. Dabei handelt es sich um die weltweit erste hybride Schwerlastdrohne. Diese wartet mit acht Elektromotoren und vier Düsentriebwerken auf und bietet eine Tragkraft von 400 kg.

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Die Düsen tragen die Nutzlast, die Rotoren sorgen für die Navigation und die Flugsymmetrie. Die Hydra 400 lässt sich innerhalb von sechs Minuten flugbereit machen. Sie ist in der Lage, Brimstone-Lenkflugkörper zu tragen, die sich wiederum zur Bekämpfung eines breiten Zielspektrums eignen, darunter auch sich schnell bewegende Fahrzeuge oder Schiffe auf See.

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Drohnen aller Größen kamen zum Einsatz, hier betrieben von französischen Kameraden (British Army)

Die Soldaten testeten auch verschiedene neue Software-Produkte. Hierzu zählten etwa Programme wie 3D4LAND zur durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützten schnellen Erstellung und Aktualisierung digitaler dreidimensionaler Lagekarten. Dies geschieht auf Basis der von verschiedenen Sensoren und Drohnen ermittelten Daten. Durch die stets aktualisierten Lagekarten sollen Führungsprozesse erleichtert werden.

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Digitale Lagekarte für die Feuerleitung von Mörsern (British Army)

Ein weiteres Produkt war die Software „Instant Connect Enterprise (ICE)“. Diese übersetzt die Sprache des Senders in die des Empfängers. Dies ermöglicht eine einfachere und schnellere Kommunikation zwischen britischen und internationalen Truppen, wobei dies derzeit noch mit geringer Verzögerung geschieht.

Zu den handfesteren Dingen bei AWE2023 zählte unter anderem die motorisierte Kletterhilfe von Skylotec, mit der sich schnell höher gelegene Stockwerke nehmen lassen. Auch das Leiter/Brückensystem Easibridge wurde erprobt. Hiermit lassen sich schnell gesperrte oder nicht gangbare Geländeabschnitte überqueren. Elektrische Schubkarren zur Verwundetenevakuierung oder autonom fahrende Kleinfahrzeuge zum Transport von Nachschubgütern ergänzten das Equipment.

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Die Hydra 400 mit Brimstone wurde auch auf der DSEI 2023 gezeigt (JP Weisswange)

Die British Army wird jetzt die Erkenntnisse aus dem AWE 2023 bewerten und auf dieser Grundlage entscheiden, in welche Fähigkeiten und Technologien weiter investiert werden wird. 2024 wird sich das AWE erneut mit der urbanen Kriegführung befassen.

Jan-Phillipp Weisswange