Bereits seit längerem klagt das U.S. Marine Corps (USMC) über den mangelhaften Verfügbarkeitsraten amphibischer Schiffe der U.S. Navy. Im vergangenen Jahr betrug diese nur 41 Prozent, während zusätzliche Operationen in der Karibik gegen Drogenschmuggel und Venezuela hinzukamen. Das führte zu einer fünfmonatigen Verzögerung beim Einsatz der Marine Expeditionary Units (MEU) auf See. Nun arbeiten beide Teilstreitkräfte laut USMC-Kommandant General Eric Smith gemeinsam daran, die Bereitschaft der Flotte zu verbessern.
Dazu sollen die Instandsetzungspläne für die 32 vorhandenen Schiffe optimiert werden. Zudem soll es lebensverlängernde Maßnahmen für diejenigen im besten physischen und mechanischen Zustand geben. Schließlich will man gemeinsam mit dem US-Kongress auf die Beschaffung neuer und leistungsfähiger Schiffe drängen. Der Entwurf für den Verteidigungshaushalt 2027 im Rekordumfang von 1,5 Billionen Dollar sei hierfür eine erhebliche „Anzahlung“, aber nur ein Anfang, so General Smith.
USMC derzeit besonders stark beansprucht
Gegenwärtig verfügt die U.S. Navy noch über sieben Amphibienträger der Wasp-Klasse, nachdem die USS Bonhomme Richard aufgrund eines Feuers während einer Werftliegezeit 2021 zur Verschrottung außer Dienst gestellt wurde. Von den elf geplanten Nachfolgern der America-Klasse sind bereits zwei in Dienst und zwei weitere im Bau. Von den geplanten 26 Docklandungsschiffen der San-Antonio-Klasse befinden sich inzwischen die Hälfte in Dienst und drei des zweiten Bauloses in der Fertigung. Hinzu kommen noch sechs ältere Schiffe der Whidbey-Island- und vier der Harpers-Ferry-Klasse.
Im vergangenen Dezember wählten Navy und Marines zudem den Entwurf LST-100 der niederländischen Damen-Werft als künftiges mittleres Landungsschiff aus. Unter dieser bei den US-Streitkräften seit dem Zweiten Weltkrieg nicht verwendeten Bezeichnung sollen 18 bis 35 Schiffe beschafft werden, die Teil der 2020 vom damaligen USMC-Kommandanten General David H. Berger angestoßen Reform Force Design 2030 sind. Sie sollen Einheiten der im Pazifikraum aufgestellten Littoral Regiments des USMC schnell und direkt zwischen den Einsatzorten verlegen.
Derzeit sind die amphibischen Einheiten der USA besonders stark beansprucht. Die Kampfgruppe um den Amphibienträger USS Iwo Jima mit der 22nd Marine Expeditionary Unit befindet sich noch immer in der Karibik im Einsatz. Die Gruppe um die USS Tripoli mit der 31st MEU wurde wegen des Irankriegs von Japan in den Nahen Osten verlegt und durch die Gruppe um die USS Boxer mit der 11th MEU verstärkt, die dafür vorzeitig aus Kalifornien in den Einsatz geschickt wurde. Üblicherweise sind nur jeweils zwei amphibische Kampfgruppen mit je einem Amphibienträger, zwei Docklandungsschiffen und diversen Sicherungseinheiten auf See.
Stefan Axel Boes












