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Die Sicherheitslage rund um den Flughafen in Kabul spitzt sich weiter zu. Heute Morgen kam es zu einem ersten Feuergefecht, an dem auch Soldaten der Bundeswehr beteiligt waren. „Heute Morgen um 04.13 Uhr MESZ kam es am North Gate des Flughafens Kabul zu einem Feuergefecht zwischen afghanischen Sicherheitskräften und unbekannten Angreifern. Eine afghanische Sicherheitskraft wurde dabei getötet, drei weitere verwundet. Am weiteren Verlauf des Gefechtes waren amerikanische und deutsche Kräfte ebenfalls beteiligt. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind unverletzt“, teilte die Bundeswehr via Twitter mit. Welchen Einfluss dies auf die weiteren Evakuierungsbemühungen der deutschen Streitkräfte haben wird, ist derzeit noch unklar.

Auch vor dem Feuergefecht war die Sicherheitslage äußerst instabil, trotzdem hat die Bundeswehr nunmehr zum siebten Tag in Folge Menschen aus Kabul evakuieren können. Am gestrigen Sonntag wurden durch die deutschen Streitkräfte weitere 589 Personen evakuiert, darüber hinaus wurde ein anteiliger Personalaustausch des deutschen Einsatzkontingentes durchgeführt sowie Hilfsgüter nach Kabul eingeflogen, damit die dort seit Tagen ausharrenden Menschen versorgt werden können.

US-Streitkräfte weiten Evakuierung aus

Weitere Neuigkeiten gibt es im Bereich der amerikanischen Evakuierungsmission zu berichten. Präsident Joe Biden gab während einer Pressekonferenz bekannt, dass die US-Truppen den Sicherheitsbereich um den Kabuler Flughafen ausweiten konnten, ohne ins Details zu gehen, welche Auswirkungen dies auf die Evakuierung hat bzw. haben wird.

Darüber hinaus hat er mitgeteilt, dass die US-Regierung derzeit darüber diskutiert, ob der Abzug der US-Truppen aus Afghanistan nach hinten verlegt werden soll. Zusicherungen, dass dies tatsächlich erfolgen wird, hat er jedoch nicht getätigt. Nach derzeitigen Planungen werden die US-Kräfte Kabul spätestens am 31. August verlassen, dies wäre somit auch das Enddatum jeglicher internationaler Evakuierungsmissionen, da eine Aufrechterhaltung der Sicherheit am Kabuler Flughafen ohne die US-Truppen als unwahrscheinlich gilt.

Um den Weiterflug der ausgeflogenen afghanischen Ortskräfte aus den amerikanischen Drehkreuzen zu ermöglichen, ohne die U.S. Air Force weiter zu belasten, wurde am Sonntag die zivile Reserve-Luftflotte der USA aktiviert. Insgesamt 18 Flugzeuge unterschiedlicher ziviler US-Fluglinien sollen für die weitere Evakuierung eingesetzt werden. Fluggesellschaften und Charterfluggesellschaften können über Verträge mit dem U.S. Transportation Command an der sogenannten Civil Reserve Air Fleet teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig, ermöglicht den partizipierenden Unternehmen einen privilegierten Zugang zu Passagier- und Luftfrachtaufträgen der US-Streitkräfte in Friedenszeiten. Die zivile Reserve-Luftflotte wurde ursprünglich 1951 auf Betreiben des US-Verteidigungs- und US-Handelsministeriums aus der Taufe gehoben. Als Blaupause dienten die während der Berliner Luftbrücke gesammelten Erfahrungen.

Deutsche Evakuierungsflüge am Sonntag

Der erste deutsche Evakuierungsflug am Sonntag erfolgte am späten Vormittag und brachte 196 Personen aus Kabul heraus. Am Nachmittag erfolgte der zweite Flug, diesmal mit 180 Personen. Mit dem dritten Flug des Tages wurde, wie bereits angesprochen, ein anteiliger Personalaustausch unternommen.

Der vierte Flug, mit 213 ausgeflogenen Menschen, wurde am Abend durchgeführt.

Alle Flüge gingen wie gewohnt von Kabul in die usbekische Hauptstand Taschkent. Die Bundeswehr hat dort ein Drehkreuz eingerichtet, von wo aus die Menschen in gecharterten Maschinen der Lufthansa sowie teilweise auch bundeswehreigenen Transportfliegern weiter nach Deutschland verbracht werden.

Somit wurden am siebten Evakuierungstag 589 Personen aus Kabul ausgeflogen, im Gesamtverlauf der letzten Woche haben die deutschen Streitkräfte nach eigenen Angaben somit 2.723 Menschen aus mindestens 38 Nationen aus Afghanistan evakuiert.

Unsere weitere Berichterstattung zu dem Thema finden sie hier:

Militärische Evakuierung in Afghanistan: Zusammenfassung 8. Tag

Unsere vorherige Berichterstattung zu der militärischen Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan:

Waldemar Geiger